Fliegende Blätter — 42.1865 (Nr. 1017-1042)

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Wie man sich bei Soupers um das Trinkgeld drücken kann.

Der Herr Präsident Baron Stoppelberg hat die Ge-
vhnheit, oder vielleicht besser gesagt: „die amtliche Ver-
lichtung« in jedem Jahre den ihm zugetheilten Beamten vom
^gierungsrath bis hinab zu den Referendaren ein festliches
endessen zu geben.

s«. Bei derartigen Festlichkeiten hat nun freilich so eigentlich
"emand eine rechte Freude. Dem Präsidenten selbst liegt
"icht viel an diesem Feste und der Frau Präsidentin
o l viel weniger, denn ihre Töchter sind längst unter die
^aube gebracht und sie sicht in dem Souper nichts anderes,
^ eine empfindliche Störung ihrer Ruhe. Aus demselben
^sichtspunkte betrachtet auch der Präsident diesen Festabend,
shn von seiner ihm unentbehrlich gewordenen, allabendlichen
hsitpartie der Casinogesellschaft zurückhält.

Sehr falsch würde man aber auch urtheilen, wenn man
glauben wollte, daß die eingeladenen Gäste sich ein besonderes
Vergnügen daraus machten, an der Tafel ihres Vorgesetzten
einen höchst ceremoniellen Abend zu verbringen und überdies
sind auch die Weinsorten, die der Präsident seinen Gästen
vorsetzt, durchaus nicht dieselben, welcke er bei seinem Mittags-
tisch zu trinken pflegt. Wahrscheinlich geschieht cS nur aus
Anhänglichkeit zu der Provinz, in welcher er das Licht der
Welt erblickte, daß der Präsident auch bei solchen Gelegenheiten
den Saft jener Reben, welche in der Nähe seiner Wiege mit
ihm emporwuchsen, den Gästen vorsetzt, und wenn man erfährt,
daß Baron Stoppelberg ein geborner Schlesier ist, so
drängt sich wohl Jedem sofort die traurige Vermuthung aus,
daß bei jenen Festlichkeiten zumeist das nicht im besten Rufe
stehende Grüneberger Rebenblut in den Flaschen seiner
Erlösung harrt. Ob cs nur aus Liebe zu seiner Gemahlin
geschieht, welche dem herrlichen Rheinlande entsprossen ist,
oder ob der Präsident das Prüfungsvermögen seiner Gäste
in Thätigkeit setzen will, genug — er hat die humoristische
Gewohnheit, seinem Festweine allerhand verlockende schön
lithographirte Etiguctten aufzudrücken, welche nur Namen
vom besten Klange, wie: Rüdesheimer, Aßm annshäuser,
Geißenheimer u. s. w. aufweisen. Es liegt in der Natur
der Sache, daß selbst tüchtige Weinkenner wenigstens in
diesem Kreise dergleichen Täuschungen gar nicht merken
dürfen und oft hört man einen wohlerfahrenen Mund von
prächtiger Blume, herrlichem Feuer desselben Weines sprechen,
welchen der besser urtheilende, aber zum Schweigen verdammte
Magen nur mit Grauen in sich aufnimmt.

Zwei Personen freuen sich jedoch stets schon lange Zeit
vorher auf jene Festlichkeiten und zwar sind dies die beiden
Diener des Präsidenten. Friedrich und Johann berechnen
schon mehrere Wochen früher aus den von ihnen besorgten

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Titel

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"Wie man sich bei Soupers um das Trinkgeld drücken kann"
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Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
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G 5442-2 Folio RES

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Werktitel/Werkverzeichnis

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Entstehungsort (GND)
München

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Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

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Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Abendessen
Referendar
Beamter <Motiv>
Pflicht
Amt
Regierungsrat
Einladung <Motiv>
Präsident
Karikatur
Langeweile <Motiv>
Baron
Satirische Zeitschrift
Thema/Bildinhalt (normiert)

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Künstler/Urheber (GND)
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Fliegende Blätter, 42.1865, Nr. 1022, S. 41 Universitätsbibliothek Heidelberg
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