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Hagen, Rüdiger; Neß, Wolfgang; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]; Institut für Denkmalpflege [Hrsg.]
Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen: Mühlen in Niedersachsen: Region und Stadt Hannover — Petersberg: Michael Imhof Verlag, Heft 44.2015

DOI Seite / Zitierlink:
https://doi.org/10.11588/diglit.51272#0326
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322

Mühlen in Niedersachsen
Region und Stadt Hannover

Hannover-Calenberger Neustadt
Im Bereich des heutigen Stadtteils Calenberger Neu-
stadt hat es seit dem Mittelalter mehrere Wassermüh-
len gegeben, die an den verschiedenen Wassersträn-
gen der Leine lagen. Die bekannteste der Mühlen,
auch gleichzeitig diejenige, die am längsten Bestand
hatte, war die Brückmühle am Leinestrang nordwest-
lich der Klickmühle am westlichen Ufer der Altstadt
zugewandten Leineinsel (heute etwa in Höhe des
Staatsarchivs an der Straße Leibnizufer). Die vermut-
lich ältesten Mühlen dürften die Stapelmühle und die
Hofmühle gewesen sein, die bereits am Anfang des
14. Jahrhunderts genannt werden. Die Stapelmühle
lag am nördlichen Rand der Neustadt (heute an der
Königsworther Straße), die Hofmühle östlich unter-
halb der Burg Lauenrode (heute am Leibnizufer). Drei
weitere Mühlen befanden sich am Mühlenstrang, der
die Neustadt etwa im Gebiet der heutigen Archivstra-
ße durchquerte und dann südlich der Calenberger
Straße, im Mittelalter Damm genannt, westlich ab-
knickte und danach um die Stadt herum nach Norden
(heute etwa in Höhe der Humboldtstraße) floss, und
sich im Bereich der Königsworther Straße wieder mit

dem Hauptstrang der Leine zu vereinigen. Die Mühlen
dürften aber alle südlich des Damms gelegen haben,
wo sich der Fluss in mehrere Stränge teilte und klei-
nere Inseln bildete. Ein skizzierter Stadtplan, der die
Zeit um 1380 darstellt, zeigt in etwa die Situation des
Flusslaufes mit den Mühlen. Mit der Nr. 1 ist die Brück-
mühle bezeichnet, Nr. 5 ist die Hofmühle, Nr. 6 die
Stapelmühle, deren Lage wohl nicht korrekt ist, und
die Nummern 2, 3, 4 bezeichnen die Luchtenmühle,
Hamelmühle oder Trippmühle und Dammmühle oder
Neue Mühle. Allerdings ist bei diesen Mühlen die
Historie sehr unklar, da in verschiedenen Quellen die
Bezeichnungen und die Lage der Mühlen differieren.
Auch werden zudem die Danzelmühle (nach der be-
nachbarten Danzelmasch) und die Äußerste Mühle in
diesem Gebiet genannt. Zudem erschweren verschie-
dene Nutzungsbezeichnungen und Mühlentypen wie
Mehl-, Walk-, Säge-, Öl- und Bokemühle eine genaue
Zuordnung.
Im Folgenden sollen die einzelnen Mühlen näher er-
läutert werden.


Die Zeichnung zeigt die Situation der Neustadt mit den ver-
schiedenen Strängen der Leine und den daran liegenden Was-
sermühlen. Die Nummern 1 -6 bezeichnen die im Text genann-
ten Wassermühlen.
Plan aus: Karl Friedrich Leonhardt 1927 (Stadtplan um 1380).

Hannover-Calenberger Neustadt
(Andertensche Wiese/Königsworther Straße)
Wassermühle Stapelmühle
Die Stapelmühle ist nach dem Datum ihrer ersten Er-
wähnung im Jahre 1303 die älteste der Mühlen in der
Calenberger Neustadt. Sie lag außerhalb der Stadt-
mauern im Gebiet der Andertenschen Wiesen vor
dem Clevertor. Die genaue Lage ist den Quellen leider
nicht zu entnehmen: Auf der Karte von 1380 (siehe
Abbildung im Vortext der Calenberger Neustadt) liegt
sie unmittelbar am Clevertor; andere Quellen verorten
sie am nördlichen Leinebogen, wo der äußere Müh-
lenstrang wieder in den Hauptstrang der Leine ein-
mündet (Andertensche Wiese) oder auch im Bereich
der ehemaligen Pumpstation an der Königsworther
Straße. Dem Namen nach dürfte an dieser Stelle ein
alter Stapelplatz zum Güterumschlag gelegen haben.
Nöldeke erwähnt, dass sie zum Dorf Putensen (heu-
te Teil der Nordstadt) gehörte und in der Nähe einer
späteren Schleifmühle lag, über die jedoch auch keine
konkreten Angaben vorliegen.
Die Mühle gehörte zunächst den Herren von Escherde
und ging später in den Besitz der Familie von Alten
über, die sie 1384 an den Rat der Stadt Hannover ver-
kaufte.
Bereits 1440 soll die Mühle eingegangen sein.
 
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