Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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E. D RER UP

den formte, wenn man sie doch wieder durch die Pinakes zu
einem Teile verdecken und dadurch egalisieren wollte.
Grössere Bedeutung indessen lege ich der völligen Verschie-
denheit des Grundrisses bei, die den Holzbau des Theaters von
Syrakus den Proskenien aller anderen griechischen Theater iso-
liert gegenüberstellt. Zunächst weise ich auf die Tiefe des Holz-
baues hin, wenn es gleich zweifelhaft erscheint, ob wir die
rückwärtige Steinlage als das Fundament der griechischen
Skenenvorderwand ansehen dürfen. Immerhin ist es höchst un-
wahrscheinlich, dass der griechische Skenenbau in seiner vor-
deren Begrenzung über die Rückwand der Parodoi hinaus in die
Orchestra vortrat, zumal der Orchestrakreis noch nach rück-
wärts hinübergreift : zum wenigsten fehlt für eine solche Bau-
art jedes Analogon. Die Tiefe des Holzbaues hätte somit zum
mindesten 4 m betragen und überstiege damit ganz erheblich
die gewöhnlichen Abmessungen der griechischen Proskenien,
soweit sie hier überhaupt verglichen werden können. Denn das
steinerne Proskenion in Athen ist nur 1,89 m tief, in Oropos
1,95 m, in Magnesia ca 2 m, in Neu-Pleuron 2,35 m. Etwas tiefer
sind die Proskenien in Priene mit 2,74 m, im Piraeus mit 2,77 m,
in Eretria mit etwa 2,80 m, in Epidauros mit 3,01 m, in Delos
mit 3,30 m. Das Proskenion in Megalopolis (über 7 m) kommt
nicht in Betracht, weil sich dahinter kein Bühnengebäude befindet.
Die Tiefe des Proskenions erklärt sich hier also schon durch das
Bedürfnis der Schauspieler, hinter dem Spielplatz einen Umklei-
deraum zu haben: und wir brauchen uns mitDörpfeld nicht darauf
zu berufen, dass man gewünscht hätte, die riesengrosse Orche-
stra für die klein gewordene Stadt möglichst einzuengen. Ganz
ähnlich wie in Megalopolis ist überdies die Anlage des Bühnen-
hauses in Ephesos, dessen Hauptraum in einem 40 m langen
und nur 2,95 m breiten Korridor an der Rückseite des Spiel-
platzes besteht (vgl. Österr. jfahreshefte 1899, Beiblatt Sp. 38 ff.).
Ferner ist unser Holzbau soweit in die Orchestra hineinge-
setzt, dass er bei weiterer Durchführung nach den Seiten die
Eingänge nahezu versperrt haben würde : denn auch dies ist
für ein griechisches Proskenion eine ganz singuläre Konstruk-
tion. Wir können im griechischen Theaterbau zwei Hauptty-
pen unterscheiden, je nachdem der Orchestrakreis voll ausge-
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