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Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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https://doi.org/10.11588/diglit.41307#0031
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DAS GRIECHISCHE THEATER IN SYRAKUS

2 I
zogen die Vorderfront des Proskenions höchstens berührt, oder
aber über sie um mehrere Meter hinausgreift. In den zum er-
steren Typus gehörigen Theatern ist das Proskenion so ange-
legt, dass es entweder zwischen vorspringenden Paraskenien
eingespannt ist, die einen genügend breiten Zugang zur Orche-
stra freilassen (Athen, Peiraieus, Epidauros, Magnesia), oder
dass es in der Flucht der rückwärtigen Parodoswand liegt,
während das Bühnenhaus zurücktritt (Oropos, Eretria, Sikyon
und ähnlich Neu-Pleuron). Eine vermittelnde Stellung scheinen
einzunehmen die Theater von Segesta und Tyndaris, in denen
das (hölzerne) Proskenion zwischen den Paraskenien eingespannt
ist, der Orchestrakreis aber ihre Fluchtlinien überschneidet.
Den zweiten Haupttypus repräsentieren die Theater von Mega-
lopolis, Delos, Assos und Priene, in denen das Proskenion vor
der Skene als freistehende Säulenhalle in die Orchestra hinein-
gesetzt ist, ohne durch Paraskenien eingeschnürt oder durch
seitliche Mauerzüge (Rampen, Parodosrückwand) weitergeführt
zu sein. In Megalopolis sind noch die Ecken der Säulenreihe
durch breitere Mauerpfeiler betont, wodurch eine Übergangs-
form insofern bezeichnet wird, als die fortsetzende Parodos-
wand wenigstens angedeutet ist. In den anderen Theatern
dagegen schliesst sich an das äussere Ende der Säulenreihe
beiderseitig unmittelbar eine Thür an, die an Stelle einer
Parodos den Zugang zur Orchestra bildet. Berührungen hier-
mit zeigt auch das Theater von Pergamon, das aber wegen
der durch die besonderen örtlichen Verhältnisse bedingten ab-
sonderlichen Bauweise nicht wohl zum Vergleich herangezogen
werden kann. Ganz anders liegen die Dinge in Syrakus, wo
wir einen gänzlich neuen Typus des Proskenions konstatieren
müssten : denn — und das betone ich vor allem — in Megalo-
polis, Delos, Assos, Priene ist das Proskenion, wie sonst überall,
so konstruiert, dass es als Hintergrund die Orchestra in ihrer
ganzen Breite abschneidet. In Syrakus hingegen tritt der PIolz-
bau soweit in die Orchestra hinein, dass einem Teile der Zu-
schauer auch seine Flanken sichtbar waren ; dadurch ist es
unmöglich geworden, ihn mit dem Proskenion zu identifizieren,
wenn wir daran festhalten, dass die Schmuckwand des Pro-
skenions die Funktion eines Spielhintergrundes gehabt hat
 
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