Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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E. DRERUP

Man könnte nun freilich den Vorbau als eine Säulenvorhalle
erklären wollen, die der Vorderfront der Skene vorgelegt ge-
wesen sei, bei der darum auch ein Blick auf den seitlichen
Abschluss die Illusion nicht gestört hätte. Aber wenn selbst
die rückwärtige Säulenreihe L— W als griechisch erwiesen wer-
den könnte, so ginge es doch schon aus konstruktiven Gründen
nicht an, den Holzbau A—K damit in unmittelbare Verbindung
zu bringen. Die Säulenvorhalle A—K nämlich, die wir bei der
nahezu gleichen Axweite der Säulenstellungen kaum niedriger
ansetzen dürften als die rückwärtige Säulenfront, würde mit
der Architektur der Skene in keinem organischen Zusammen-
hänge stehen, weil die Holzsäulen des «Proskenions» mit der
Säulenstellung der Skene nicht korrespondierten. Die Differenz
der Intercolumnien ist freilich nicht beträchtlich, immerhin aber
so gross, dass die Verbindung der äussersten «Proskenions»-
Säulen A und K jeweils bereits in ein Intercolumnium der
Säulenfront hineintreffen würde. Wir müssten also annehmen,
dass das Epistyl der Vorhalle seitlich über einem Intercolum-
nium mit dem Architrav der Skene sich verbände, ohne im
Treffpunkte durch eine Säule unterstützt zu sein. Das ist jedoch
um so weniger wahrscheinlich, als gerade bei der verhältnis-
mässig geringen Verschiedenheit der Axweite eine Überein-
stimmung leicht zu erzielen gewesen wäre. Zum Vergleich
könnte einzig das Theater von Megalopolis herangezogen wer-
den, das jedoch als Analogon deshalb nicht passt, weil bei
der sehr grossen Differenz in den Abmessungen der Thersilion-
vorhalle und des Proskenions und bei der beträchtlichen Niveau-
verschiedenheit eine architektonische Verbindung überhaupt
nicht möglich war. Zudem konnte hier die rückwärtige Archi-
tektur durch eine Vorgesetzte Dekoration verdeckt werden, was
für Syrakus dadurch ausgeschlossen ist, dass der Vorbau nur
einen Teil der Skenenfront einnimmt.
Andererseits geraten wir bei der Erklärung des Holzbaues
A—K als Proskenion auch dann in Schwierigkeiten, wenn wir
ihn als eine Säulenvorhalle ohne Beziehung zur rückwärtigen,
wahrscheinlich römischen scaeiiae frons betrachten, weil wir
die verschiedene Gestaltung der Holzstützen A — K in ihrer
Bedeutung für die dekorative Behandlung eines Proskenions
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