Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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VASENFUNDE AUS ATHEN

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ist das innere Rund gewöhnlich rot gebrannt, der übrige Teil
erscheint grau oder schwarz. Völlig roten Firnis beobachten wir
dann bei der Schale N° 31 und dem zweihenkeligen Napf vom
Westabhang N°i4. Diese Entwickelung endigt schliesslich in der
Erfindung der roten Glasur der griechischen Terrasigillata-
Gefässe, die an die Stelle der gefirnissten Gefässe treten. Dass
die Entwickelung der Vasengattung wirklich diesen Verlauf
nimmt, lässt sich auch aus der Ornamentik nachweiser;.
Die malerische Dekoration wird mit sehr geringen Mitteln
bestritten. Von den beiden verschiedenen Elementen der Ver-
zierung, dem geometrischen und dem naturalistischen, tritt das
zweite erst mit der Verschlechterung des schwarzen Firnisses
auf. Es fehlt noch ganz auf den Vasen der oben zusammen-
gestellten ersten Gruppe und besteht bei seinem Aufkommen
in Schachbrettmustern mit weisser Füllung, in gelben Netzmus-
tern und gelben ineinander gesetzten Vierecken ; im weiteren
Verlaufe der Entwickelung aber, etwa parallel dem Auftreten
des grauen und roten Firnisses, verschwinden allmählich die
Farben, und alle diese Muster werden nur noch in Ritzlinien
ausgeführt. Das naturalistische Element bilden Dreifüsse auf
breiter Basis, Füllhörner, Bukranien, Delphine, Thyrsoi und
Kränze, ferner die schon auf Vasen des IV. Jahrhunderts auf-
tretenden Wellenbänder, Bogenfriese, Guirlanden mit Bommeln
und Amuletten, Ranken mit Blättern und Blüten, Rebzweige
und Epheuguirlanden. Mit dem Verfall des Firnisses verschwin-
den diese Dekorationen immer mehr, um schliesslich den ein-
fachen, geritzten geometrischen Mustern Platz zu machen. Bei
allen grösseren Gefässen beschränkt sich diese Verzierung auf
den oberen Teil, Flals und Schulter, der untere Teil wird im-
mer unverziert gelassen. Wie diese Thatsache das Aufkommen
der Reliefverzierung begünstigt, wird sich noch bei der Betrach-
tung der einzelnen Formen heraussteilen.
Ausgeführt werden die Ornamente in zwei Farben, einem
dicken, schmutzigen Gelb und einem dünnen kreidigen Weiss,
die auf den schwarzen Grund aufgesetzt werden. Da, wo die
weisse Farbe abgesprungen ist, erscheint der Firnisgrund rot,
so dass bisweilen der Anschein von Dreifarbigkeit erweckt wird.
Die Zeichnung, anfangs ziemlich sorgfältig, wird immer flüch-
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