Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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EMIL KRÜGER

(Helbig Wandgemälde 1461), auf dem man auch einen Dichter
in Gesellschaft der Muse erkennen darf. Hier kehren die Ele-
mente unserer Komposition, der sinnende Mann, der das Kinn
in die Hand stützt, und die Maske wieder, allerdings als
Bestandteile einer etwas ausführlicheren Komposition1. Bei der
Abhängigkeit von älteren Vorbildern, die man auch hier an-
nehmen muss, darf man den Rückschluss wagen, die Erfindung
dieser Scene «der Dichter in seinem Gemach in Gesellschaft
der Muse seiner Thätigkeit hingegeben» in das IV. Jahrhundert
und wegen des athenischen Reliefs auf attischen Boden zu
verlegen2. Wenn man sich auf diesem dem Dichter gegenüber
eine Muse mit der Maske sitzend denkt, so ergiebt sich eine
Ergänzung, die formal der Grösse und den Forderungen der
Symmetrie entspricht und inhaltlich vollkommen befriedigt.
Ein solches Reliefbild, gedacht als Weiterentwickelung jener
einfachen Weihungen, die den Dichter allein mit der Maske
geben, zugleich in seiner noch schlichten Form eine Vorstufe
der reicher ausgestalteten Bilder hellenistischer und späterer
Zeit, passt auch durchaus zu dem zeitlichen Ansatz in das Ende
des IV. Jahrhunderts, der oben auf Grund der Relieftechnik
gewonnen wurde.
Zum Schluss seien noch einige Monumente zusammengestellt,
die von ähnlichen Weihungen von Dichtern herrühren können.
Charakteristisch ist an dem athenischen Relief die zierliche
Arbeit, mit der bei den kleinen Dimensionen die Porträtzüge
zum Ausdruck gebracht sind. Derartiges scheint nicht häufig;
mir sind bisher folgende Stücke bekannt geworden, die man
aus diesem Grunde zu unserem Relief in Beziehung setzen darf.
1. Ein kleiner Rest eines Reliefs, Kopf und Oberkörper eines

1 Das Gemälde Pitture d‘Ercolano IV 40 (Helbig 1457) bringt ebenfalls den
nachdenklich betrachtenden Mann und eine von einem Jüngling gehaltene
Maske. Leider ist alles Weitere zerstört.
2 Das ist dann immer ein beliebtes Thema geblieben ; vgl. Sarkophag im
Louvre Clarac II 205, 307 Text II, 1 S. 247, Matz-v. Duhn 2610, 2616, Sarko-
phag aus Lykien in Athen, National - Museum N° 1189 Athen. Mitt. 1877 Taf. 10
S.134, das Monnus-Mosaik in Trier Antike Denkmäler I 47—49, das Vergil-Mosaik
in Algier Monuments PiotlY 20 (Arch. Anz. 1898, 114) ; dazu die Sarkophagbil-
der, die den Toten im Kreise der Musen zeigen, O. Bie Die Musen S. 59.
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