Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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EINE LOKALE GATTUNG BOIOTISCHER GEFÄSSE.
(Hierzu Tafel VIII).
Die fünf Gefässe, welche auf Tafel VIII und in den Text-
bildern dieses Aufsatzes wiedergegeben sind, bilden zusam-
men eine Gruppe von Vasen, deren Zusammengehörigkeit
bisher nicht genügend beachtet worden ist. Drei von ihnen
befinden sich im athenischen Nationalmuseum, die beiden an-
deren im British Museum. Dass sie zusammen eine besondere
Gattung bilden und wahrscheinlich in einer und derselben
Töpferwerkstatt verfertigt sind, wird bei näherer Betrachtung
der Abbildungen wohl jedem einleuchten.
Die athenischen Exemplare sind alle drei aus der Samm-
lung der archäologischen Gesellschaft in das Nationalmuseum
übergegangen. Im Inventar der Gesellschaft wird für das eine
geschenkte Stück «Piraeus»(?) als Fundort angegeben. Die
zwei anderen wurden durch Kauf erworben; das eine als aus
Korinth, das andere als aus Tanagra stammend. Wir finden
also für die verschiedenen Gefässe verschiedene Fundanga-
ben, und wenn wir auf die athenischen Exemplare allein ange-
wiesen wären, so würde es nicht so leicht sein, den Fundort
mit einiger Sicherheit zu ermitteln. Dies wird aber ermöglicht
durch den Vergleich mit den zwei Londoner Gefässen, als deren
Fundort Tanagra genannt wird. Freilich darf man sich auf die
Angaben der Antiquitätenhändler nicht absolut verlassen, aber
wahrscheinlich wird doch diese Angabe, wenn man sich erin-
nert, dass auch eines der athenischen Exemplare aus Tanagra
stammen soll. Dass die Londoner Gefässe aus Boiotien stam-
men, ist jedenfalls sicher, denn das eine, die Pyxis, trägt Ver-
zierungen, die gerade für die boiotische Keramik besonders
charakteristisch sind, nämlich das Epheublatt, das beliebte
Ornament der Kabirionvasen, und eine Reihe senkrecht laufen-
der Zickzack- resp. Wellenlinien, die auf den geometrisch deko-
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