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Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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https://doi.org/10.11588/diglit.41307#0162
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SAM WIDE

der Altar des Zeus Lykaios war, oder eine ara graminea, cae-
spiticia, wie die Römer sie nannten. Durch die Untersuchungen
von Reisch und Thiersch1 wissen wir, dass es in Griechenland
Altäre gab, die einem Grabhügel — einem τύμβος — ähnlich wa-
ren. Diese Art von Altären lässt sich freilich vorwiegend im
Heroenkultus nachweisen, kommt jedoch auch im Kultus der
olympischen Götter vor. Wenn auf unserem boiotischen Vasen-
bilcle βωμός und τύμβος identisch sind, ist das nicht weiter
auffällig ; denn hier ist ja die Totengöttin dargestellt und
für diese passt eine Altarform, die an das Grab erinnert, und
passt auch die auf dem Altar liegende Granate, die den chtho-
nischen Gottheiten heilige Frucht.
Hinter der Göttin schwebt ein Vogel. Man könnte zunächst
denken, dass er nur der Raumfüllung wegen angebracht sei ;
aber die Londoner Exemplare zeigen, dass bei diesen Gefässen
von solcher Raumfüllung nicht die Rede sein kann. Der Vogel
muss also in einer näheren Beziehung zu der Göttin stehen,
und gerade dadurch wird dieses Bild für uns lehrreich. Es
ist nämlich merkwürdig, dass der Demeter wie der Perse-
phone so selten Vögel als Attribute beigesellt werden, ganz
im Gegensätze zu Hera und Athene, Aphrodite und Artemis.
Vereinzelt und selten finden wir bei Demeter den Kranich'2,
und Persephone scheint als chthonische Göttin, ganz wie Askle-
pios mit dem Hahn bisweilen verbunden zu sein3. Aber bei
unserem Vasenbilde kann weder von Kranich noch von Hahn
die Rede sein, wenn sich auch die Gattung des Vogels nicht
sicher bestimmen lässt. Die Gegenwart des Vogels muss hier
mit einer althellenischen religiösen Vorstellung Zusammenhän-
gen, die in der antiken Litteratur fast totgeschwiegen wird
und auch auf den Denkmälern spärlich zum Ausdruck kommt
— ich meine die Vorstellung von der Psyche als Vogel.

1 Reisch in Pauly - Wissowas Real - Encyklopädie I 1665 ff. Thiersch «Thyrre-
nische» Amphoren I3iff. Taf. I.
2 Porphyrius De abst. III 5. Stephani Compte- rendu 1865, 114 h:. Overbeck
Griech. Kunstmythologie II 52X f. Atlas Taf. XV, 19.
3 Vgl. Roschers Lexikon II 1336, wo freilich die angeführten Beispiele nicht
alle beweiskräftig sind.
 
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