Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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0. RUBENSOHN

che nichts gefunden, und ebensowenig wussten die Anwohner,
z. B. der hochbetagte Besitzer der umliegenden Felder, mein
eifriger Führer, irgend etwas von der Existenz eines solchen
zweiten Steines. Als Fundstätte des vorhandenen Horossteines
wurde mir ebenso wie früher Olympios, Löwy u. a. überein-
stimmend eine Stelle auf dem östlich der Kirche gelegenen
Felde bezeichnet, und eine weitere Feststellung ist geeignet,
die Richtigkeit dieser Angabe zu erhärten.
Bei meinen Nachforschungen nach der Fundstätte der vielen
Säulentrommeln wurde mir von verschiedenen Seiten die Um-
gebung der 400 m östlich der Septembriani gelegenen Kirche
der H. Evangelistria angegeben. In den diese Kirche umge-
benden Steinzäunen sah ich mehrere der unkannelierten Säu-
lentrommeln verbaut, eine weitere steht nahe der Kirche im
Feld, ausgehöhlt und als Brunnenmündung verwertet. In dem
Kirchlein selbst sind in der S. W. - und der S. O.- Ecke je
zwei Säulentrommeln mit angearbeiteten Kanneluren dicht über-
einander verbaut. Einer Angabe meiner Führer folgend liess
ich vor der N. W.- Ecke der Kirche graben und fand hier
unter der Erde eine Säulentrommel, freilich nicht in situ, wie
die Leute behaupteten, sondern auf Schutt stehend, daneben
lagen Marmorbrocken, z. T. von Säulentrommeln herrührend.
Leider liessen die gerade in Reife stehenden Felder eine wei-
tere Fortsetzung der Untersuchung nicht zu, auch bin ich nicht
im Stande gewesen, den Angaben über ein grosses unter dem
Erdboden verborgenes Pflaster aus Steinplatten, das sich dicht
neben der Kirche finden sollte, vielleicht die Euthynteria des
postulierten Tempels, weiter nachzugehen. Jedenfalls scheinen
mir die durch den Befund genügend gestützten Angaben der
Bewohner es wahrscheinlich zu machen, dass wirklich die Um-
gebung der Kirche H. Evangelistria die Fundstätte der zahl-
reichen Säulentrommeln gewesen ist. Diese Ermittelung zusam-
mengestellt mit den Angaben über den Horosstein beweist,
dass in nächster Nähe der H. Evangelistria ein altes Heiligtum
gestanden hat. Man darf annehmen, dass die von Löwy in
Tschipiclo entdeckte Tempelordnung (vgl. zuletzt Dittenberger
Sylloge'1 569, woselbst die übrige Litteratur angeführt ist) auch
aus diesem Heiligtum stammt; der Stein ist, wie mir glaubwür-
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