Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

Page: 190
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1901/0200
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
190

O. RUBENSOHN

keiner dieser beiden Buchten gesprochen werden ; sie verdienen
im besten Falle den Namen einer offenen Reede. Die Dampfer
ankern 100 — 200 m vor dem modernen Molo frei in der Mitte
der grossen Bucht. Ein geschlossener Hafen müsste also hier
auf künstliche Weise hergerichtet gewesen sein, etwa in der
Art des Hafens von Naxos. Ein geringer Rest solcher künst-
lichen Hafenbauten scheint nun auch erhalten zu sein.
Bei meinen Nachforschungen nach antiken Molen wurde mir
von den einheimischen Schiffern eine nur schwach erkenn-
bare Steinreihe auf dem Boden des Meeres gezeigt, die etwa
20 m vor der Akropolis beginnend — näher dem Ufer ist alles
mit Tang bedeckt — in nördlicher Richtung hinstreicht und
nach ungefährer Schätzung etwa 50 m lang ist. Sie besteht aus
einer Schicht unregelmässig neben einander liegender Bruch-
steine und hebt sich als weisse Linie auf dem gelben Sande
des Meeresbodens ab. Von 'weitem ist sie an der hellgrünen
Färbung des Meeres über ihr bemerkbar. Wahrscheinlich haben
wir in dieser sicher künstlichen Steinschüttung Reste eines anti-
ken Hafendammes zu erblicken. Seine Richtung nach Norden
würde dann darauf hinweisen, dass die Einbuchtung östlich
der Akropolis im Altertum als abgeschlossener Hafen herge-
richtet gewesen sei. Bei der gründlichen Zerstörung des Hafens
haben wir wohl anzunehmen, dass die Befestigungen schon in
antiker Zeit, in einer der Perioden, in der Paros seine Selbstän-
digkeit eingebüsst hatte, gewaltsam vernichtet worden sind.
Ausser der Steinschüttung bei der Akropolis giebt es noch
eine ganz gleichartige bei der Windmühle M östlich der Mar-
morwerkstätte. Diese als östlichen Abschlussdamm des κλει-
στός λιμήν zu betrachten geht nicht an, weil sie schon ausser-
halb der Stadtbefestigungen liegt. Sie steht offenbar in Bezie-
hung zu einer dritten, unregelmässigeren Steinreihe am gegen-
überliegenden Ufer östlich von Kap Krio. Welchen Zweck
diese beiden Steindämme hatten, die den innersten Winkel der
Bucht von Parikia gegen das Meer absperrten, kann ich nicht
sagen. Jedenfalls darf man den so abgesperrten Teil nicht für
den κλειστός λιμήν in Anspruch nehmen. Bei dem oben geschil-
derten Verlauf der Stadtmauer hätte der geschlossene Hafen
nicht in direktem Zusammenhang mit der Stadt gestanden und
loading ...