Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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W. KOLBE

hatte. Als sich das Volk in dieser Personenfrage für ihn ent-
schieden hatte, war auch der Sieg seines politischen Programms
gesichert. Denn der Demos hatte darüber zu befinden, ob eine
Flotte geschaffen werden sollte oder nicht. In der Ekklesie ist
hierüber Beschluss gefasst worden. Freilich war Themistokles
damals Areopagit, aber seine Aufgabe ist ihm durch diese
Eigenschaft kaum wesentlich erleichtert worden. Wenn wir
eines aus der durch Anekdoten entstellten Überlieferung er-
schliessen dürfen, so ist es die Thatsache, dass Themistokles’
Flottengesetz von der Volksversammlung angenommen ist.
Das geht klärlich schon daraus hervor, dass bis zu diesem
Zeitpunkte die Pachtgelder der Bergwerke an die Bürger ver-
teilt wurden; daher konnte eine Änderung in dieser Praxis nur
durch einen Beschluss der Majorität herbeigeführt werden. In
welcher Weise der Rat vom Areshügel bei diesen politischen
Kämpfen mitgewirkt hat, ob er zu Themistokles oder Aristeides
hielt, ist nicht ersichtlich (s. Keil a. a. O. 212).
Nun hat allerdings der Areopag in der Zeit der Persernot
480 die Gelder beschafft, deren des Volk zur Räumung der
Stadt bedurfte. Denn nicht als Zehrgeld für die Mannschaften,
die auf die Flotte gingen, sind den Bürgern je acht Drachmen
gezahlt worden, sondern damit man die Frauen und Kinder
in Sicherheit bringen und ihnen für die erste Zeit den nötigen
Lebensunterhalt beschaffen konnte. Ob hier eine Parallele zu
der Wirksamkeit des Areopags vorliegt, die uns für die Zeit
des Demetrios von Phaleron bezeugt ist (Köhler Athen. Mitt.
1880 S.281), mag dahingestellt bleiben. Man kann aus Aristo-
teles’ Nachricht wohl auf finanzielle Befugnisse dieser Körper-
schaft schliesen, aber nimmermehr daraus die Behauptung
ableiten, dass sie auf «die Flotte eine Ingerenz ausgeübt»
habe. Jedenfalls ist Keil den Beweis für seine These schuldig
geblieben. Er selbst warnt uns vor Generalisierungen, wo es
sich um das Seewesen Athens handelt. Ich glaube diesem Rate
zu folgen, wenn ich der Meinung entgegentrete, als sei der
Areopag in der Zeit seiner höchsten Blüte die erste Aufsichts-
behörde für die Marine gewesen. Eine sachliche Begründung
ist dem Gelehrten nicht gelungen. Man wird also an der Vor-
stellung festhalten müssen, dass die Sorge für die neugeschaf-
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