Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 26.1901

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W. KOLBE

zutrifft, so ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass die Werft-
aufseher, welche den von den Strategen bestimmten Leturgie-
pflichtigen ein Schiff zuwiesen, dabei wieder an die Trieren der
betreffenden Phyle gebunden waren. Nur die Auswahl der
Trierarchen fand phylenweise statt. Was ferner «die Ver-
dienstgelegenheit der Unbemittelten durch Mehreinstellung von
Schiffen» anlangt, so glaube ich in meiner Dissertation S. 37 ff.
nachgewiesen zu haben, dass in der perikleischen Zeit die
Rudermannschaften in der Regel nicht zwangsweise ausgeho-
ben wurden, sondern dass der Trierarch sich seine Schiffsbe-
satzung anwarb. Infolgedessen halte ich den Beweis nicht für
erbracht, dass die Zuteilung der Neubauten an die Phylen durch
die Flottenorganisation zu erklären sei.
Den Gedanken, dass der Bau selbst den Phylen übertragen
sei, weist Keil mit Recht zurück. Somit haben wir nur die Wahl
zwischen den von ihm zuletzt erwogenen Möglichkeiten, dass
entweder die Neubauten auf zehn Jahre verteilt werden sollten
[κατ’ ενιαυτόν ποιουμένην δ]έκα, oder dass gleichzeitig mit der
Erhöhung des Flottenbestandes eine feste Regel für den Er-
satzbau aufgestellt wurde. In diesem Falle wäre aus επιναυπη-
γεΐν für das zweite Objekt nur ναυπηγεΐν als Verbum zu denken
[το δέ λοιπόν κατ’ ενιαυτόν δ]έκα. Nun wird man gewiss Keil
zugeben, dass zehn Jahre für 100 Trieren ein Schneckentempo
wäre; also ist auch diese Möglichkeit auszuschliessen. Es bleibt
nur noch die eine, die Keil verwarf, weil ihm ein jährlicher
Ersatz von zehn Schiffen zu hoch erschien. Aber für das IV.
Jhdt. haben wir gerade Beweise für diese Zahl gefunden. Auch
für das V. Jhdt. würden wir sie annehmen dürfen, nachdem
Keils Vorstellung von der Haltbarkeit der Trieren sich als irrig
erwiesen hat. Denn bei einen Jahresersatz von 10 Schiffen würde
eine Flotte von 250 Segeln in ihrem Bestände erst nach 25 Jah-
ren erneuert sein. Wenn man in Anrechnung bringt, dass auch
damals die Trierarchen zum Ersatzbau herangezogen wurden,
wo es anging, so wird man zugeben, dass dieses Ergebnis mit
unserer Statistik über die Altersgrenze der Schiffe im Einklang
steht. Von allen Vorschlägen, die Keil zur Heilung jener Stelle
gemacht hat, würde ich daher dem zuletzt besprochenen [τό δέ
λοιπόν κατά τον ενιαυτόν δ]έκα den Vorzug geben.
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