Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 40.1915

Page: 141
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1915/0184
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DIE SCHACHTGRÄBER VON MYKENAI 141
betont zu haben (AM. XXXIV 1909, 315 ff.). Tatsächlich sind
von dieser letzteren nur verschwindend wenige Proben auf
dem griechischen Festlande gefunden worden, während an-
derseits kein einziges Exemplar der festländischen Ware auf
Kreta aufgetaucht ist — wenigstens in den bisher allein er-
forschten mittleren und östlichen Teilen der Insel. Die Hei-
mat der älter mykenischen Keramik darf keinesfalls in der
Argolis gesucht werden; denn hier tritt sie plötzlich in hoher
Vollendung neben die alte Mattmalerei und die polierten Va-
sen, und weder in den Formen, noch in Technik und Orna-
ment finden wir Vorstufen dazu.
Das lässt sich in Tiryns einleuchtend an der Hand der
langen älteren Entwickelung beweisen. In Mykenai liegt die
Sache anders: hier treten in den ältesten Schichten solche
‘ altmvkenische’ Vasen mit matt bemalten, gelb oder rot po-
lierten und minyschen zusammen auf, der Urfirnis fehlt
durchaus'.
Betrachten wir nun die Keramik der Schachtgräber ge-
nauer, so treten zunächst einige locale Gruppen hervor1 2:
I. Einheimische handgemachte Vasen aus grobem, gelb-
lichem Thon mit polierter Oberfläche, sog. gelb polierte
Ware. Die Kantharoi IV 611-613 und VI 942 (M. Th. V 22.
X 48) zeigen eine der geläufigsten Formen der festländischen
Keramik des II. Jahrtausends vor dir. Wir können sie von
Thessalien bis Leukas, von Olympia bis Tiryns und Melos
verfolgen3 Der tiefe Becher mit zwei ganz kleinen Band-
henkeln VI 955 (M. Th. X 49) findet ebenfalls sehr zahlreiche

1 [Bei ihren Grabungen und der Durchsicht von Schliemanus Scher-
ben haben Wace und Biegen auch jüngeren Urfirnis gefunden].
2 Im folgenden steht M. Th. für Mykenische Thongefässe. Bei den
Signaturen der einzelnen Vasen bezeichnet die lateinische Ziffer das Grab,
die arabische die Inventarnummer des National-Museums.
3 Thessalien: Tooüvtug, Aij.if|Viov y.ai SsoDmv 134 ff. 259; Waee-
Thompson, Prehistoric Thessaly 62. 15b. Leukas: Dörpfeld, IV. Brief
über Leukas-Ithaka 10. Olympia: Weege, AM. XXXVI 1911, 168 f.
Melos: Dawkins-Droop, BSA. XVII 16 f. Taf. 7. Vgl. Forsdyke, JHS.
XXXIV 1914, 126 ff., unsere Vasen S. 156.
loading ...