Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Valentin Müller

oriental. Symbolik 53 Anm. 4 No. 5; Meißner Abb. 89), halte ich die
senkrechten Linien für Angabe nicht von Falten, sondern von Rip-
pung, wie sie das ‘semitische Plaid’ hat (Prinz No. 1; vgl. Heuzey,
Origines orientales de l’art 122; K. i. B. 44 No. I, 45 No. 3). Das Relief
Meißner Abb. 108 ist vielleicht assyrisch (Meyer, Gesch. d. A. 13 § 464 A),
steht also in der Faltenangabe des schrägen Mäntelchens auf der Brust
möglicherweise unter hethitischem Einfluß1). Dagegen ist die Falten-
darstellung der ägyptischen Kunst von den ältesten Zeiten an geläufig,
v. Bissing, Denkmäler Taf. 5 III. Dyn., 9 Chephren IV. D.; K. i. B. 24
No. 5; gerade in der Zeit der faltenreichen Gewänder (XVIII.—XX.
Dyn.: v. Bissing, Text zu Taf. 78) sind die Beziehungen der Hethiter
zu Ägypten lebhaft gewesen. Die Schnüre der hethitischen Statuette.
dagegen werden in Anlehnung an die mesopotamischen Rippen (‘semi-
tisches Plaid’) und Fransen (Meißner Abb. 39, 63; K. i. B. 44 No. 7;
45 No. 2) entstanden sein, die, eine Verfeinerung des sumerischen Zotten-
rocks (Meißner Abb. 15, K. i. B. 41 No. 10), letztenEndes auf die natür-
lichen Zotten des ursprünglich getragenen Widder- und Ziegenfells zurück-
gehen, wie es z. B. Eannatum auf der Geierstele utngeschlagen hat (Meißner
Abb. 20; K. i. B. 42 No. 7).

Ganz vereinzelt ist die Darstellung von Falten in der kretischen
Kunst. Ich kenne sie nur an der Terrakotte aus Sitia Mon. ant. VI 1895,
171 ff. Abb. 4, die an jeder Seite Falten hat und der Bronze des Louvre,
de Ridder, Bronzes ant. du Louvre I 18 No. 80 Taf. 10, einer Tänzerin,
bei der sie schräg laufen, wohl um den Eindruck der Bewegung zu
machen, vgl. Winter, Typen II 156 No. 10.

Die griechischen Beispiele lehren weiter: die enggestellten Linien
treten in derselben Schule erst beträchtlich später auf als die weitge-
stellten: Bronze aus Ephesos — Hera des Cheramyes, Franpoisvase —
rotfig. Stil, und, entsprechend dem späteren Vorkommen der Falten auf
dem Festland als im Osten, sind auch die enggestellten bedeutend später
auf dein Festland als im Osten: melische — rotfig. Vasen; den zwei
Linien auf korinthischen Vasen stehen die vielen der melischen gegenüber.

Hoernes, Urgeschichte d. bild. Kunst 2 409 Abb. 2. Vgl. Deonna, Toilettes
modernes de la Crete ancienne 25ff. Später sind Perrot-Chiepiez III Abb. 314,
Ö. J. XIII 1910, 185, Abb. 103, Wickhoff, Kusejr £Amra Taf. XVIII, XXIV.

0 Über hethitischen Einfluß in Assur A. M. XXXXII 1917, 145 f.
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