Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Gewandschemata der archaischen Kunst

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Ebenso gibt die kleinasiatische Kunst schon im Vil. Jhrh. Falten
auch am Oberkörper: Bronze aus Ephesos (Exc. Taf. XIV), während sie
die festländische bis ins V. hinein vermeidet: die Stützfigur eines Spiegels
in Miinchen (Arch. Anz. 1910, 52; Wiegand, Bronzefigur einer Spinnerin,
73. Berl. Winckelmannsprogr. 13 Abb. 8) hat zwischen den seitlichen
Falten eine gänzlich glatte Fläche in der Breite des Unterkörpers, spärlich
sind sie noch bei der Hestia Giustiniani Brunn-Br. 491, und erst etwa
bei der Prokne Österr. Jahresh. XVI 1913 Taf. III ist das Gewand des
Oberkörpers in gleicher Weise durchfurcht wie das des Unterkörpers.

Nicht das ägyptische Frauengewand, wohl aber der Männerschurz
hat im I. Jahrtausend Falten und zwar in der gleichen Schmalheit und
Feinheit, wie sie die Cheramyesfigur zeigt: z. B. v. Bissing, a. a. 0.
Taf. UXXI A Text, Amasis in Villa Albani. Da nun gerade Amasis
(Herodot II 182) Porträtstatuen von sich nach Samos und schon vor
ihm Necho II. Weihgeschenke nach Didyma (vgl. B. C. H. XIV 1890,149)
gestiftet haben, wäre es möglich, daß hier ägyptischer Einfluß vorliegt.
Er ist, wenn iiberhaupt, dann aber nur sekundär, nur bei dieser Ver-
feinerung des Schemas, wirksanr, da dieses selbst ja schon bedeutend
älter und sicher vom Osten übernommen ist.

§ 2. Bei einem anderen Schema sind die Linien nicht sämtlich gleich-
mäßig breit, sondern breitere und schmalere wechseln ab: Bleifigürchen
aus Sparta B. S. A. XV, 128 Abb. 6 No. 21 (VII. Jhrh.); Ephesos, Sima
des VI. Jhrh. Excavations Taf. XVIII No. 16, 307 No. 47/68; Harpyien-
monument, der Heros Brunn-Br. 147 oben; Leukothearelief, eb. 228; Stele
vom Esquilin Jahrb. XXVI 1911, 174. Hier sieht man am unteren Rand,
daß die Falten alle gleichmäßig breit und flach sind, die Umbiegungen
aber nicht unmittelbar zusammenstoßen, so daß die innere Windung
als schmaler Streif zwischen den äusseren sichtbar wird; Terrakotten aus
dem epizeph. Lokri: Ausonia III 1909, 218 f. Abb. 66 f.; 232 Abb. 83.

In der attischen rotfig. Vasenmalerei werden öfter die Falten zu
Bündeln zusammen gefaßt, wobei die oberste sich gewöhnlich als breiteste
aus den anderen heraushebt: vier solche Bündel hat die Amphitrite
F.-R. 5; vielfach sind zwischen den Bündeln breite Zwischenräume ge-
lassen: zwei bei drei Bündeln bei der Mänade mit geschultertem Thyrsos
F.-R. 44, dasselbe mit noch zwei breiten Randstreifen bei der Mänade
mit Schlange 45; vier Streifen, wovon einer außen, bei vier Bündeln hat
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