Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Brand und Wiederaufbau des alten Burglempels

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mögen ihn nun noch die Tyrannen begonnen haben, oder die unmittelbar
folgende jugendlich empfindende Zeit, welche stolz war, zeigen zu können,
daß sie, auch von den Tyrannen frei, immer noch Willens und auch fähig
war, so große prächtige Tempel der Göttin zu errichten, wie sie jenseits
des Meeres sich erhoben hatten in Staaten, die noch unter Fürsten standen
oder mit solchen nah befreundet waren, wie Peisistratos durch sein
Olympieion sie auch für Athen hatte schaffen wollen. Der Bau war durch
die Ereignisse unterbrochen. Und als er 30 Jahre nach dem Persergraus
wieder in Angriff genommen wurde, war der nunmehrige neue Bau ein
Symbol des neuen attischen Reiches geworden, mit Hilfe von Bundes-
geldern gebaut, um der Bundesgöttin, deren panathenäisches Fest in
ganz neue politische Bedeutung hinaufgewachsen war, ein stolzes Heim
zu bereiten und den Reichsgenossen die dauernde Herrschaftsstellung
Athens und seiner großen Göttin als ihrer aller Schutzgöttin sichtbar
vor Augen zu führen. — Aber daneben mußte jeder alte Athener wünschen,
daß seine Athena nicht ganz aufgehen möchte in jener für das ganze Reich
besorgten Göttin. Er mußte wünschen, von seiner alten Athena ein gutes
Teil für sich allein zu behalten, sowie heute die Panhagia einer grie-
chischen Insel beileibe nicht diejenige auch der andern, eine süditalische
Madonna nicht diejenige der Nachbarstadt ist, sowie es König Wilhelm I.
zunächst ein unerträglicher Gedanke erschien, sein Preußen im Gesamt-
reich aufgehen zu sehen. Die 'AÖrjvu 'A&rjväv /ledeovoa war es ge-
wesen, welche Athen 480 gerettet hatte. Ihr hatte man den alten Burg-
tempel bescheiden errichtet, später prächtig vergrößert und ausgestattet;
und als man glaubte, Zeit und Mittel zu haben, um auf schmuckeren und
zeitgemäßen Ersatz zu denken, da sollte er errichtet werden unmittelbar
neben dem alten Tempel, aber herabschauend auf die nach Norden ent-
wickelte Stadt, die Ölbaumebene, das innere attische Land, auch er das
Kekropsgrab uinfassend und schützend. Das wohl durch die Kriegs-
ereignisse und all die hohen durch sie Athen aufgezwungenen Lasten
ebenso sehr wie durch politisch-religiöse Opposition herbeigeführte Stocken
des Erechtheionbaues mochte den Entschluß erleichtern, die 406 ver-
brannte Decke und Dach des ncdaiog vrjg 'Attrjväg vems (Xen. Hell. I,
6, 1) zunächst wieder herzustellen, worauf auch die Inschrift IG. II
829 = Jahn-Mich., Paus. Arc. descr. App. ep. 30 (wozu Dörpfeld, Jahrb.
XXXIV 1919, 20) zu führen scheint, damit die Göttin dennoch darin
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