Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Das Dionysion in den Limnai und das Lenaion

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unseres Tisches nach den Abständen und Abmessungen seiner Füße
keinesfalls gewesen. Überdies dürfen wir im Bezirk des Dionysos in den
Sümpfen einen besonders großen Tisch des Gottes erwarten, weil nicht
allein die Priesterin, sondern auch ihre 14 Gehilfinnen an dem Tisch
ihren Dienst zu versehen und den Wein fiir den Gott und das athenische
Volk zu mischen hatten.

Auf einen weiteren Grund gegen Frickenhaus’ Ergänzung unseres
Unterbaus zu einem hohen Säulenbau bin ich von befreundeter Seite him
gewiesen worden. Während bei allen antiken Säulenbauten der Stylobat
nur wenig vor die Säulen vorzutreten pflegt, kommen bei den nreisten
Altären Erbreiterungen des Unterbaues vor, weil ein besonderer Stand-
platz für den Priester geschaffen werden sollte. Auch für die Aufstellung
eines Kultbildes konnte eine solche Erbreiterung angebracht sein. Da
nun an dem Altartisch im Dionysion in den Limnai nicht nur die Priesterin
und ihre 14 Gerären Standplätze haben mußten, sondern auch, wie wir
sehen werden, wahrscheinlich das Kultbild des Gottes und sicher Inschrift-
platten aufgestellt waren, dürfen wir auf unserem Unterbau mit seiner
breiten Stufe auf allen Seiten nur einen Opfertisch ergänzen, aber keinen
Säulenbau und auf keinen Fall das Heroon des Herakles, das, wie wir
sogleich sehen werden, kein Übertreten des Stylobats über die Säulen-
flucht aufwies.

Willkür ist es ferner, wenn Frickenhaus den jüngeren Steinsäulen
seines Heroons einen Durchmesser von ‘bald 50 cm’ gibt, denn die Glät-
tung der Grundplatte rings um die Löcher darf wegen ihrer unregelmäßigen
Begrenzung keinesfalls in ihrer ganzen Ausdehnung ftir die Stiitzen in
Anspruch genommen werden. Außerdem wissen wir nicht, ob diese
Glättung nicht schon für die älteren Stützen bei Herstellung der Löcher
gemacht worden ist. Die Stärke der jüngeren Sttitzen ist daher überhaupt
nicht bestimmbar; sie können ebenso dick wie die älteren Stützen, aber
auch bedeutend dünner gewesen sein. Gerade wenn das letztere der
Fall war, mußten die Löcher unbedingt mit Steinen so geschlossen werden,
wie es tatsächlich geschehen ist. Bei dickeren Steinsäulen, die bekanntlich
bei den meisten Bauwerken nur aussen herum eine schmale Tragfläche
zu haben pflegen, wäre das nicht nötig gewesen.

Die Erkenntnis, daß die jüngeren Stützen möglicherweise sehr dünn
und daher vielleicht ganz aus Metall gewesen sind, ist aus dem Grunde
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