Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Wilhelm Dörpfeld

zu widerlegen. Sie sind es um so leichter, je mehr Frickenhaus selbst
zugibt, daß die Nachrichten tiber die Lage des Lenaions in der Nähe der
Agora nicht ganz beseitigt werden können. Er glaubte deshalb (S. 85)
seine These so fassen zu müssen, daß das Lenaion zwar ausserhalb der
Stadt, aber doch noch in der Nähe des Marktes gelegen habe. Er suchte
es darnach vor demjenigen Stadttor, bei dem ‘die Agora die Stadtmauer
berührte’, nämlich vor dem Dipylon. In seiner späteren Arbeit über die
Lenäenvasen (72. Winckelm.-Progr. 1912, 30, Anm. 24) entzieht er ‘seiner
Hypothese eine scheinbare Stütze’ dadurch, daß er die Nachricht über
die Lage des Heroons des Kalamites an der Agora für ‘korrupt’ erklärt
und sie seinen Wünschen entsprechend mit Gewalt umändert, bleibt aber
im wesentlichen bei seiner früheren Ansicht.

Um nun das gesuchte Lenaion vor dem Dipylon und doch in der Nähe
der Agora wirklich nachweisen zu können, begeht er mehrere unerlaubte
Gewaltsamkeiten. Erstens dehnt er die Agora, die bekanntlich im Norden
bei der Königshalle endete, willkürlich bis zum Dipylon aus. Der Demos
Kerameikos reichte allerdings bis zum Dipylon und sogar bis zur Akademie,
die Agora selbst hat sich aber nie bis über den Eridanos nach Norden
erstreckt. Noch bedenklicher ist die zweite Gewalttat, die er an der
Beschreibung des Pausanias begeht.

Dieser erwähnt in seiner Beschreibung Athens an dem Wege vom
Dipylon zur Akademie (I, 29, 2) einen ‘nicht großen’ Tempel, in den das
Bild des Dionysos Eleuthereus jedes Jahr einmal gebracht werde. Ob-
gleich wir nun aus den Angaben des Philostrat (vit. soph. II, 1, 5) über
diese Prozession und aus anderen Nachrichten wissen, daß dieser Tempel
in der Nähe der 1 Kilometer vom Dipylon entfernten Akademie lag, und
obgleich die Angaben des Pausanias denen des Philostrat nicht wider-
sprechen, behauptet Frickenhaus, daß Pausanias den Tempel dicht am
Dipylon erwähne; er soll ihn auf dem Wege zur Akademie nach dem
Durchschreiten des Dipylons noch vor den ersten Gräbern nennen! Das
möchte Frickenhaus zwar gerne, doch tut das Pausanias nicht. Sehen
wir die vergewaltigten Worte des Periegeten daher etwas näher an.

Nach der Beschreibung der inneren Stadt und der Akropolis sagt
Pausanias, daß die Athener auch außerhalb der Stadt viele Heiligtümer
und Gräber hätten, und nennt dann, nachdem er die draußen gelegene
Akademiekurzerwähnthat, auf dem Wegezu ihr (xanovoi elg ^xaörjfiiav)
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