Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

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Studien zur attischen Chronologie der Kaiserzeit

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Flaccus, den Konsuln von 125 a. Chr. n., ein sicheres Ergebnis. Für
diesen lason hatte Kirchner in den G. G. A. 1900, 468 das Jahr 125/4 in
Ansatz gebracht, und ich hatte (s. Archonten 77 ff.) den Beweis erbracht,
daß diese Hypothese Kirchners der Wahrheit entspricht. Wir dürfen
daher fiir Phlegon das Prinzip aufstellen: das römische Consulatsjahr
ist demjenigen attischen Archontat gleichzusetzen, das um die Mitte des
betreffenden Consulatsjahres beginnt (vgl. Kirchner G. G. A. 474 f.).
Daß Phlegon dieses Prinzip nicht erst erfunden hat, sondern daß es der
Praxis des Lebens entnommen war, lehrt uns nun der in Delphi ge-
fundene athenische Volksbeschluß, der im Bull. Corr. Hell. XXIII 1898,
1 ff. veröffentlicht ist. Aus col. I Z. 1—3 und IV Z. 11—15 geht hervor,
daß M. Livius und L. Calpurnius, die Consuln von 112, dem Archon
Dionysios gleichgesetzt waren. Für diesen Dionysios müssen wir nach
dem Schreiberzyklus mit Kirchner 1. 1. 471 das Jahr 112/1 in Ansatz
bringen. Mithin bestätigt diese Inschrift den Satz, den wir oben für
Phlegons Rechnungsweise gefunden haben. Durch römisch-attische
Synchronismen sind daher folgende Archonten datiert:

'AQyelog l

— consules 97 a.Chr. n.

= att. J. 97'6

B C H.

IV190

AEivöcpilog

= „ 49 p. „ „

= „ 49/50

Phleg.

fr. 51

JiovvoiöoiQog

= „ 53,, „ .,

= .. ,. 53/4


„ 36

Kövtitv

= „ 56,, „ „

= . ., 56/7

,,

56

&QaovlÄog

= „ 61 „ „ „

: .. 61/2



„ 49

drniÖGTQazog

„ 65 „ „ ,,

= .. ,. 65/6



„ 52

dvaQ/ia

= „ 83 „ „ „

= „ 83/4


., 53

yfihog 1AÖQiavog

= „ 112 „ „ „

= „ „ 112/3



„ 54

ManQivog

= „ 116 „ „ „

II

_C7)



., 38

So hat sich uns für Hadrian entgegen der communis opinio das
Jahr 112/3 ergeben. Dürrbach hatte dieses Datum abgelehnt, weil es
sich nicht mit herkömmlichem Datum für ä. ’lovfaog Kda(o)iog — seit
Dittenberger 124/5 — vertrug. Und da Diirrbach glaubte, mit diesem
Datum ganz festen Boden gefunden zu haben, so mußte eben Hadrian
dementsprechend angesetzt werden. Wir müssen daher jetzt prüfen, ob
Dürrbachs Fixierung von C. Iulius Cassius richtig war, und ob unser bis-
heriges Ergebnis dadurch erschiittert werden kann.
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