Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 46.1921

Page: 183
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1921/0190
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Zur Gruppe der Phineusschale

183

Entstehung' im Gebiet eines ‘roten’ Alphabets, der ionische Dialekt der
Inschriften demnach eine solche in Euboia fordert. Auch ohne dieseu
epigraphischen Anhaltspunkt käine für den Ursprung der Figurenbildung,
die den Sinn für schwellende Rundung der Formen init feiner Gliederung
der Gelenke und klarer, doch nicht überzierlicher Zeichnung verbindet,
nur die chalkidische Werkstatt in Frage, die glücklich die Mitte hält
zwischen der behäbigen Derbheit korinthischer Erzeugnisse und der sich
in Einzelheiten leicht ins Kleinliche verlierenden und darum namentlich in
geringeren Stücken steif wirkenden knappen Klarheit der attischen Kunst.

Die griechische Keramik pflegt, auch wenn sich in der Figurenzeich-
nung Fortschritte zeigen, in ihren Tierstreifen und ihrem Pflanzenzierrat
konservativ zu sein. Wir miißten also namentlich hier den nächsten
Zusammenhang zwischen den älter chalkidischen Vasen und der Phineus-
gruppe erwarten. Am auffälligsten ist hier das Hahnenwappen der Bonner
Kanne (19) und der Münchner Amphora (24), das die beliebteste chal-
kidische Tiergruppe übereinstimmend wiederholt. Löwe, Reh, Edelhirsch
und Schwan haben die dort verwendeten Formen, Sphingen und Seirenen
weichen nur im Kopftypus ab. Die Eule, die auf der Phineusschale (7)
und dem Kopenhagener Skyphos unterm Henkel sitzt, wird in chalkidischen
Tierstreifen gern als Lückenbüßer verwendet. Ebenso verbindet der
fliegende Vogel als Füllornament beide Gruppen. Niederstoßend, wie auf
der Schale Candelori (8), ist er auch zwischen den Käinpferpaaren auf
der Petersburger Amphora 235 (Stephani 130) und auf der Rückseite
des Neapler Skyphos (o. S. 177 Anm. 2) dargestellt. Auf die völlig iden-
tischen Füllrosetten hat schon Furtwängler (FR. I 218) hingewiesen.
Die Knospen in der Hand der einen ‘Hore’ in Würzburg (7), zwischen
den Hähnen der Bonner Kanne (19) und der Münchner Amphora (24),
auf der Nasenwurzel der Münchner Schale 588 (1) und in den Bogen-
friesen auf dem Hals der Amphoren (21, 22, 24,25,27) und auf der Schulter
der Londoner Kanne (17) haben die typisch chalkidische Form. Der
durch Vergleich der bildlichen Darstellungen gewonnene Eindruck der
Zusammengehörigkeit wird also durch das ornamentale Beiwerk durchaus
bestätigt.

Doch in der Komposition wollte man Unterschiede feststellen. Furt-
wängler (FP. I 222) sagt wenigstens im Hinblick auf den Gesamt-
eindruck des Würzburger Prachtstückes (7): ‘An geistreicher Lebendigkeit
loading ...