Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Zum attischen Scherbengericht

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gerichte gerade bei einem der beiden ältesten Stücke (1) Meyaxksg h[iTT-
rro]x()dTOi; 'AIotcexeM vom Jahre486. Noch seltener ist aber die Bezeich-
nung, die man am häufigsten erwarten sollte, weil sie seit Kleisthenes die
eigentlich vorschriftsmäßige istW mit Namen und Demotikon. Sie be-
gegnet bei den beiden Scherben, welche Themistokles’ Namen tragen (5,6),
und höchstens dreimal (21, 38, 40) * 2) unter den 43 Scherben vom Jahr
443. Weitaus die häufigste Bezeichnung ist die mit Namen und Vaters-
namen, also gerade die, welche Kleisthenes beseitigen wollte3). Schon
die eine der beiden Megakles-Scherben (2) gibt nur
M]eyaxAEi;
lI]7inoxQd[Tog,

entsprechend lauten die beiden Scherben gegen Xanthippos, Ariphrons
Sohn, vom Jahr 484 (3, 4), die nicht genau datierbare gegen Damon,
den Sohn des Damonides (50) und nicht weniger als 29 Ostraka aus
dem Jahr 443 (7—17, 19, 22—27, 30, 31, 33, 35, 37, 39, 42—44,47,48).
Sieht man genauer zu, so haben im Jahre 443 die vornehmen Leute
Thukydides, Andokides, Teisandros niemals das Demotikon, während
es dem Kleippides siebenmal gegeben wird, davon mindestens viermal
unter Beifügung des Vatersnamens. Das macht doch stark den Eindruck,
als habe man trotz Kleisthenes in den Kreisen der attischen Aristokratie
auf das Demotikon gern verzichtet, dagegen auf den Vatersnamen Wert
gelegt, und habe es tatsächlich durchgesetzt, daß auch für den gemeinen
Mann Qovxvdidrjs MeItjgiov ein geläufigerer Begriff war als Oovxvdidrjg
'AlomExfiÜEv- Es ist das ja nur ein kleiner, wenig bedeutender Zug, aber
mir scheint alles interessant, was bezeugt, daß die schematische Gleich-
macherei des Kleisthenes auch im demokratischen Athen die alten gen-
tilizischen Werte nicht gänzlich austilgen konnte. Wenn im IV. Jahr-
hundert die offiziellen Richtertäfelchen Vatersnamen und Demotikon
vereinigen, so ist das ein Kompromiß des Staates zwischen Sitte und
kleisthenischer Ordnung, den schon im Jahre 486 die eine der Megakles-
Scherben (1) vorweg nimmt.

Leipzig. Alfred Körte.

x) S. Arist. jiol. ’Ad-, 21, 4.

2) In 40 kann der Vatersname dem allein erhaltenen Demotikon voran-
gegangen sein, dann würde dies Stück mit zur vorigen Gruppe gehören.

3) S. Aristoteles a. a. O. und v. Wilamowitz, Aristoteles und Athen 11169 ff.
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