Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Burglöwen

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tiges Ansehen. In den Ecken kämpfen anspringende Löwen mit kleineren
Tieren, die Mitte wird durch das Löwenpaar auf dem Stier gebildet, der
wie ein großer Riegel die beiden Giebelhälften zusammenhält. Die ruhige
Feierlichkeit und ornamentale Klarheit der alten Löwengruppe ist dahin,
dafür ist alles mehr ineinander verzahnt, von aktiver Spannung und
warmem Leben erfüllt.

Der Kampf des Löwen mit dem wilden Stier ist ein uraltes Thema
der orientalischen Kunst. Die jugendfrische griechische Kunst, der es
vermutlich durch kostbare Stoffe, Metall und Elfenbein, zugetragen
wurde, hat es in verschiedenen Formeln übernommen und in ihr eigenes
spannkräftigeres Wesen utngegossen, je nach dem Geist der Zeit, des
Künstlers, der Landschaft verschieden, das Thema auch durch Panther,
Hirsch, Eber, Maultier, Widder erweitert. Von spätgeometrischer Zeit
an werden alle Stufen der Rezeption durchlaufen, bis das Bild ganz in
griechische Kunst eingefleischt, die Übermacht des orientalischen Vor-
bilds völlig gebrochen ist. Und an diesem Befreiungsakt hat gerade
unser Meister den größten Anteil. Es war unrecht, den Anteil der fest-
ländischen und benachbarten Kunst an der Ausbildung dieser Tierkampf-
bilder als sekundär hinzustellen. Schon die geometrische Kunst hat das
Löwenpaar, freilich mit menschlicher Beute (Arch. Ztg. 1885 Taf. 8
und 1884 Taf. 9; AM. XVIII 1893, 126). Die Folgezeit ist durch die
‘euböische’ Amphora AM. XXVIII 1903 Beil. 28, die Greifenkanne von
Ägina Mon. IX 5 und durch die frühattische Amphora JHS. XXXII 1912
Taf. 11 vertreten. Es wäre merkwürdig, wenn sich die peloponnesische
Toreutik des VII. Jahrhunderts des Themas nicht bemächtigt hätte. Die
Löwenjagd auf der Chigikanne (Ant. Denkm. II 45) und auf dem Salb-
fläschchen Arch. Ztg. 1883 Taf. 10, vor allem aber das prächtige Bild
eines korinthischen Salbgefäßes mit dem Löwenpaar iiber dem rücklings
liegenden Stier (de Ridder, Bibl. Nat. I S. 54) reden da ein gewichtiges
Wort, frühe Versuche, das Tierkampfbild aus der heraldischen in die
reale Sphäre überzuführen, Vorläufer unserer Gruppe. In die große
Monumentalkunst stieg aber diese verlebendigte Fassung zunächst noch
nicht auf. Im VI. Jahrhundert kommt eine vitale Stoßkraft in die alten
heraldischen Schemen, gegen die Mitte des Jahrhunderts auch eine ge-
wisse Feingliedrigkeit, das zeigen die Amphora München 1364, die Drei-
fiiße Athen 12688 (Taf. XII 1) und Berlin (Arch. Ztg. 1881 Taf. III), der
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