Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 47.1922

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Wiihelm Dörpfeld

der Erschaffung der Erde gab es selbstverständlich keine mündliche oder
schriftliche Überlieferung aus der Zeit dieser Erschaffung, während für
den trojanischen Krieg zur Zeit Homers, wann er auch gelebt haben
mag, sicher noch eine direkte Überlieferung in den griechischen Heilig-
tümern und in den alten adeligen Familien bestand. Daher betrachteten
nicht nur alle Griechen, sondern auch Historiker wie Herodot und Thu-
kydides den trojanischen Krieg als eines der ersten gut bekannten Er-
eignisse ihrer Geschichte, dessen Zeit und Teilnehmer feststanden. Erst
der modernen Kritik war es vorbehalten, die Existenz der homerischen
Helden und sogar des Krieges zu leugnen. Die Ausgrabungen Schlie-
manns und seiner Nachfolger haben nun aber die Angaben Homers und
damit auch die Ansichten der alten Historiker über Troja so vollkommen
bestätigt, wie es früher keiner der modernen Gelehrten für inöglich ge-
halten hätte. Selbst die von Homer gerühmten ‘wohlgeglätteten Steine’,
um wenigstens eine Einzelheit anzuführen, sehen wir zu unserer Über-
raschung an mehreren Bauwerken der VL Schicht, im Gegensatze zu
den kleinen unbearbeiteten Steinen und den Lehmziegeln von Troja II
und auch zu den rohen kyklopischen Mauern der mykenischen Burgen
Griechenlands. Da alles, was uns Homer über die Geographie Griechen-
lands und über die Kultur und Kunst seiner Helden überliefert, sich
durch die Ausgrabungen für die spätmykenische Zeit, also für das
XII. Jahrhundert als zutreffend erwiesen hat, sollte es nicht erlaubt sein,
die jüdische Überlieferung über die Erschaffung der Erde und die homeri-
sche Überlieferung iiber den trojanischen Krieg nebeneinander zu nennen
und sogar gleich zu beurteilen. Die Ruinen von Troja und anderen
homerischen Orten, über die wir eine wertvolle Überlieferung in den
beiden Epen besitzen, dürfen auch nicht ebenso behandelt werden, wie
die vorgeschichtlichen Ruinen Deutschlands, über die man in Ermange-
lung jeder Überlieferung phantastische Theorien aufstellen kann.

Zweitens glaubt Schuchhardt einzelne Ztige der von Homer geschil-
derten Kultur und Kunst anführen zu können, die ihn veranlaßt haben,
‘eine ältere Fixierung der Sage anzunehmen’ und die Gleichsetzung von
Troja VI mit der homerischen Burg des Priamos zu leugnen.

Einmal sollen Einlegearbeiten aus verschiedenfarbigen Metallen, wie
Homer sie an einigen Waffen beschreibt, nur in der frühmykenischen
Zeit (etwa 1700—1500) vorkommen und daher für Homer, der die spät-
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