Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 2.1968

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23. Johann Rombauer: Bildnis des Presover Rechtanwalts
Samuel Hellner, Oel.

len. Im Prospekt, am „Bildnis der sitzenden
jungen Dame mit der Rose in der Hand“, mit dem
sich vertiefenden und in die Landschaft öffnenden
Raum, mit den Bergen von Strážske im Hinter-
grund, kommt dann schon das Prinzip des illusiven
Realismus des Biedermeiers zur Geltung.
Es ergibt sich die Frage, bis zu welchem Masse
sich Rombauer die Aspekte und Tendenzen des
Biedermeiers aneignete, dieser Stil- und Anschau-
ungstendenz, die der Lebensart des mitteleuro-
päischen Bürgertums bis ungefähr von der Zeit
des Wiener Kongresses bis zum Jahre 1848 ent-
sprach, wobei natürlich örtliche Verhältnisse
sowohl in Bezug auf Zeit als auch auf Inhalt modi-
fiziert werden. Selbstverständlich besteht auch die
Frage des Zusammenhanges mit dem oder der
Distanziertheit vom zeitgenössischen ostslowa-
kischen künstlerischen Ausdruck.
Nebst Josef Czauczik und seiner Schüler, die
mit dem Ende der Zwanziger] ahre zur Geltung
zu kommen beginnen und sich im allgemeinen den
Tendenzen des Spät-Empire oder des ausreifenden

Biedermeiers unterwerfen, erscheinen in dieser
Periode auch Namen weiterer, neuer künstlerischer
Talente auf der Bildfläche in der Ostslowakei.
Unmittelbar mit Prešov ist für eine längere Zeit
die bemerkenswerte Tätigkeit zweier Künstler
verbunden: es handelt sich um Josef Miklošík
(1791 —1841)55 und um den jüngeren, bereits
erwähnten Josef Ginovský (1800—1857).56 Beide
haben in Wien studiert. Der ältere von ihnen,
Miklošík, der nebst seinen Studien auch den
mittels eines Stipendiums aufrechterhaltenen Be-
ruf des Kantors der Wiener griechisch-katholischen
Kirche ausübt, ist in den Jahren 1814—1823
Schüler der Akademie, des zu jener Zeit wohl-
bekannten Peter Krafft. Der jüngere, Ginovský,
mit seinen schon vorher erworbenen künstlerischen
Erfahrungen, eignet sich seit der Mitte der Zwan-
zigerjahre den Stil des sentimentalen Biedermeiers
an, wie dies auch zweie seiner Frauenbildnisse
beweisen, die sich heute im Besitze der Slowa-
kischen Nationalgalerie in Bratislava befinden.57
In der weiteren Entwicklung wird das Schaffen
der beiden Künstler voneinander unterschiedlich
und in einem bedeutenden Masse differenziert.
Während Miklošík, der später als Diözese-Maler
in Diensten des Prešover griechisch-katholischen
Bistums sein mittels einiger Portrait- und Genre-
Arbeiten bewiesenes Talent58 zersplittert, indem
er auf Bestellung stereotypisch dargestellte Ikono-
stase produziert und unter den vielen unbedeuten-
den, anspruchslosen provinziellen Ikonographen
seinen Platz einnimmt, zieht Ginovský die Auf-
merksamkeit der Künstlerkreise von Wien und
Pest mit seinen immer realistischer orientierten
Portraits und Genre-Bildnisse auf sich. Später
macht er jedoch allmählich Konzessionen — mit
typisch österreichischen Genre-Bildern — um dem
Geschmack des österreichischen kleinstädtischen
Konsumenten entgegenzukommen.
Wenn wir Rombauers Spätwerk in Beziehung
zum künstlerischen Ausdruck der obengenannten
zwei Künstler untersuchen, finden wir, dass es
sowohl in seiner mentalen Tendenz als auch in der
gestaltlichen Ausdrucksweise fast intakt geblieben
ist. Das künstlerische Streben des talentierten
Ginovský entspricht mit seiner Biedermeier-Posi-
tion, insbesondere jedoch mit seiner realistischen
Tendenz schon den Richtungen der nach ihm fol-
genden Generation und entwickelt sich — trotz
seines anhand von Literatur bewiesenen Kontaktes

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