Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1989

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Theaterdekorateure in Bratislava zwischen

Barock und Romantismus

Der erste Versuch zu einem Abriß eines zusammen-
hängenderen Bildes der Vergangenheit der Theaterde-
koration in der Slowakei kozentriert sich auf Bratisla-
va, wo im 18. Jahrhundert die meisten provisorischen
Theatergebäude und privaten Adelstheater waren und
wo im Jahre 1776 das älteste feste Stadttheater eröffnet
wurde. Er stützt sich auf verstreute Nachrichten aus
schriftlichen Quellen, Dekorationsinventaren und auf
eine Sammlung von Entwürfen zu Theaterdekorationen,
die unlängst in der Caplovič-Bibliothek in Dolný Ku-
bín gefunden wurde.
Das Theater des 18. Jahrhunderts festigte die Tra-
dition der Guckkastenbühne mit einem von zwei rah-
menden Seitenkulissen begrenzten Spielraum und mit
einem abschließenden gemalten Prospekt, in dem der
illusionäre Tiefenraum herrschte. Die Szene wurde
durch Bühnenmechanismen dramatisiert, mit deren
Hilfe unerwartete und wundervolle Wechsel direkt vor
den Augen der Zuschauer ablaufen.
Die vollkommene Technik mit versenkbarem Boden
existierte auch in dem hölzernen Theater, das zu Ehren
der Krönung Maria Theresias in Bratislava erbaut wur-
de und in dem die Hesse-Opern eingeführt wurden,
zu denen angeblich Antonio d’Agostino die Dekoratio-
nen verfertigte. In den Jahren 1759—1761 wirkte in
Bratislava Girolamo Bon, ehemaliger Hoftheatermaler
der russischen Zarinnen Anna Johannowna und Eli-
sabeth Petrowna und Architekturprofessor an der Bay-
reuther Akademie, mit seiner Operngesellschaft, den
danach Nikolaus Esterházy nach Eisenstadt engagierte.
Für die Esterházys arbeitete auch der Zögling der Brü-
der Galliari, Pietro Travaglia, der im Jahre 1802 nach
Bratislava übersiedelte.

In den Jahren 1785—1788 wirkte das Privattheater
des Grafen Erdödy in Bratislava, für das Franz Anton
Hoffmann, Franz Schellemayer und Johann Mayer die
Dekorationen malten. Nach Erdödys Tod gelangten diese
Dekorationen mit der Theatergesellschaft H. Kumpfs
nach Buda. Für das dortige neue Theater entwarf Wolf-
gang Kempelen aus Bratislava 17 Grunddekorationen
und konstruierte auch bemerkenswerte Bühnenmecha-
nismen.
Als im Jahre 1776 in Bratislava das neue Stadttheater
eröffnet wurde, hatten laut Nachricht aus dem Jahre
1793 der Wiener Maler Vandi und der Bratislavaer
A. F. Hoffmann die Dekorationen zu malen. Vandi ist
jedoch nur die falsche Umschrift des Namens Vincenzo
Fanti, eines Wiener Malers italienischer Herkunft. Auch
die in der Literatur vermutete Identität Vandis mit
J. Mandel ist unmöglich, da sich von beiden in der
Caplovič-Bibliothek signierte Entwürfe befinden, die
von völlig verschiedenen Handschriften zeugen.
Der Bratislavaer Theaterdekorateur Carl Maurer ist
in der Caplovič-Bibliothek durch eine Skizzenmappe mit
127 Zeichnungen und einer Kollektion von Entwürfen
zu Theaterdekorationen, Ehrenpforten, architektoni-
schen Skizzen und Studien vertreten. Sein frühes Werk
ging aus dem Klassizismus hervor, später aber zeigten
sich in ihm auch romantische Einflüsse mit gotischer
und orientalischer Architektur.
Aus dem bis jetzt bekannten Material kann man
schließen, daß die Dekorationskunst für das Theater in
Bratislava, besonders dank der Nähe Wiens, nicht hinter
der Stilepochenentwicklung zurückblieb.
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