Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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Einleitung

Einleitung.
Als nach dem Tode des Landeskonservator E. Wagner (1920) das Ministerium
im Begriffe war, eine Neuordnung der Denkmalpflege in die Wege zu leiten, boten
sich ihm vor allem E. Wahle in Heidelberg und W. Deecke und E. Fischer in Frei-
bürg zur Mitarbeit an. So kam es 1922 zur Gründung des „Ausschusses für die
Ar- und Frühgeschichte in Baden" (heute: Badischer Denkmalrat, Abteilung
für Ar- und Frühgeschichte) und zur Bestellung von Prof. Wahle und Prof. Leon-
hard als Oberpfleger für Nord- bzw. Südbaden; das Landesmufeum übernahm die
Betreuung der Heimatmuseen. Diese Zusammenarbeit von Verwaltung und For-
schung, Denkmalpflege und Museum, Fachprähistorie und Nachbarwissenschaften,
von Oberland und Anterland, Einheimischen und Auswärtigen, diese Weite und
Tiefe ist ein positives Merkmal der badischen Verhältnisse, und die jährlichen
Sitzungen des Ausschusses gaben immer wieder Gelegenheit, gemeinsam die lausen-
den Fragen zu besprechen, wichtige Denkmäler zu besichtigen und persönliche Fühlung
mit unseren Mitarbeitern und der Bevölkerung an Ort und Stelle zu nehmen.
So sand die diesmalige Sitzung am 23./24. 6. 38 in Ladenburg statt. Das
antike Lopodunum und die deutsche Stadt sind das besondere Forschungsgebiet des
Mannheimer Altertumsvereins und Prof. Gropengiehers und stellt der Boden-
forschung und Baudenkmalpslege große und dankbare Aufgaben. Ein Heimatabend
scharte Ortsbewohner und Tagungsteilnehmer um einen Vortrag von Pros. Gro-
pengieher über „die Neckarsweben, die ersten Germanen am Oberrhein". In der
Sitzung wurde über den Stand der Denkmalpflege, die abgeschlossenen und beab-
sichtigten Anternehmungen, über Museen und Veröffentlichungen berichtet und be-
raten, worüber weiter unten das Wichtigste mitgeteilt wird. Die Stadt mit ihrem
Reichtum an römischen und frühmittelalterlichen Denkmälern wurde eingehend be-
sichtigt. Sie ist neben Breisach (und allenfalls Konstanz) der einzige Ort in Baden,
der in keltischer, in römischer und in frühmittelalterlicher Zeit eine gleich ausge-
zeichnete Bedeutung hatte; die sich daraus ergebenden Fragen werden hoffentlich
bald durch Ausgrabungen und Veröffentlichungen, wie sie Prof. Gropengieher be-
gonnen hat, einer Lösung näher gebracht werdend
Ein würdiges Gegenstück ist der Heiligenberg bei Heidelberg, der am
25. Iuni besichtigt wurde. Dr. P. H. Stemmermann übernahm hier und anschlie-
ßend im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg die Führung. Dank dem
Entgegenkommen der Stadtverwaltung konnte er die Bestände aus den Vorkriegs-
grabungen auf dem Heiligenberg ordnen und bearbeiten und so zum ersten Male
eine begründete Darstellung der mannigfaltigen Ereignisse geben, die sich hier
oben abgespielt haben. Seine Ergebnisse hat er in einem Aufsatz niedergelegt, dessen
Erscheinen für dieses Heft vorgesehen war, aber aus zwingenden Gründen bis
nächstes Iahr hinausgeschoben werden muhte.
Prof. E. Wahle hat nach der Errichtung einer planmäßigen a.o.Professur seine
Denkmalpflegetätigkeit in Nordbaden niedergelegt. Als erster Fachprähistoriker in
Baden hat er nach dem Weltkrieg den Aufbau von Denkmalpflege, Lehrerschulung
und Museumsaufstellung tatkräftig in die Hand genommen und 1925 unsere Zeit-
schrift begründet. Sein Ausscheiden gab dem Ministerium Anlaß, die fällige Neu-
organisation unserer Arbeit durchzuführen und dem „Landesamt für Denk-
i Von der Sebastianskirche sind im Heimatatlas, 2. Auflage, einige der bedeutsamen
karolingischen Reliefs veröffentlicht; um so dringlicher ist der Wunsch nach Veröffentlichung
der umfassenden Untersuchungen von Prof. Weise zur D-augeschichte.
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