Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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Besprechungen 133

überaus zahlreiche Abbildungen von Belegen und Geräten (für die dem Berlag besonderer
Dank ausgesprochen sei) erschöpfend dargestellt worden. Die Darstellung erfolgt zeitlich und
schließt mit einer Zusammenfassung und mit technischen Ausführungen. Zu kurz behandelt
sind die Latenegefäße (zumal ein Widerspruch zu bestehen scheint zwischen Abb. 6 b „schei-
bengearbeitete Tongefäße ..." und S. 65 „gewülstet und nachgedreht"). Auch überzeugt es
nicht, wenn die nicht-gedrehte Irdenware schlechthin als Hausindustrie der Frauen be-
zeichnet wird; der Handel mit Tongefäßen seit dem Neolithikum ist erwiesen (Köln-
Lindental; Breisgau), und stilbilöende Kraft wird man jedenfalls im nordischen Neolithi-
kum, in der Lausitzer und Hallstattkeramik dem Manne zuschreiben. G. K.
-i-
D. Frhr. b. Richthvfen, Die Vor- und Frühgeschichtsfvrschung im neuen Deutschland
(„Die neue Hochschule"-, Bd. 1). 1937- 805.
Die Schrift beginnt mit einem überblick über die Geschichte der Forschung vor 1933
und behandelt dann die Entwicklung nach der nationalsozialistischen Revolution und die
heutigen Aufgaben in der Denkmalpflege, an den Hochschulen, in der Zusammenarbeit mit
andern Wissenszweigen (Geschichte, Volkskunde, Völkerkunde, Kunstgeschichte, klassische Ar-
chäologie, Sprachwissenschaft, Psychologie, Rassenkunde, Philosophie, Soziologie, Geologie,
Erdkunde, Botanik, Zoologie, Mineralogie, Chemie, technische Wissenschaften, Astronomie),
Facharbeit und Volksgemeinschaft, und schließlich die Betätigung der Vorgeschichte in den
Museen und in der Erziehungsarbeit außerhalb der Hochschulen. Der Querschnitt durch so
mannigfaltige Beziehungen zeigt die ganze Fülle der praktischen und theoretischen Auf-
gaben; gerade unsere Mitarbeiter aus Nachbarwissenschaften und in der Leserschaft wer-
den zahlreiche Literaturhinweise und Anregungen finden und die wörtlichen Zitate wich-
tiger Reden führender Männer der Bewegung bezeugen und erhellen die Stellung unseres
Faches. Die besonderen Verhältnisse Südwestdeutschlands kommen zu kurz (Diluvial- und
Alluvialgeologie, provinzial-römische Forschung), aber bei der Kürze der Darstellung ist
das nicht Wohl zu umgehen und unseren Lesern würde das auch nichts Neues bieten.
G. K.
A. Koch, Die Dor- und Frühgeschichte Starkenburgs. 1937.
Das umfangreiche Buch ist mit einer bestimmten Absicht versaßt, nämlich „die be-
harrenden Kräfte des Blutes stärker in die Erscheinung treten zu lassen, als es in rein
fachwissenschaftlichen Untersuchungen heute noch der Fall ist". Damit ist eine historische
Achse gegeben, die der Verfasser gut benutzen konnte. Entsprechend dem größeren Rahmen
ist die Gliederung klarer und zielbewuhter, aber wir müssen leider auch feststellen, daß
der Verfasser Vieles klarer sieht, als die wahrheitfuchende wissenschaftliche Erkenntnis er-
laubt. So messen wir auch einzelne Überschriften, z. B. „Urkeltische Kultur" — Hügel-
gräbcrbronzezeit. Die Urnenselderbevölkerung ist nicht urkeltisch, sondern, wie auch Pokorny
zuletzt sprachlich belegen konnte, allem Anschein nach illyrisch. Es ist auch übertrieben, in
den Illyriern bandkeramische Grundlage sehen zu wollen, der Urheber dieser Ansicht,
Schuchhardt, steht damit allein. Besondere Gefahr liegt vor allem in der Art, wie die
Rassenfragen herangezogen sind. Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß außer den
Arheiten des alten Schliz nur verallgemeinerte und daher nicht beständige Schlüsse über
das Verhältnis von jungsteinzeitlichen Kulturen und Rassen vorliegen. Einige Anthro-
Pologen-Generationen können sich noch am prähistorischen Schädelmaterial betätigen Die
wirklichen, nicht konjunkturbedingten Ergebnisse dieses Fvrschungszweiges sind, wie jeder
Kundige weih, außerordentlich gering. Daß alle Michelsberger Westisch, alle Glockenbecher
dinarisch seien, bedarf noch einiger Beweise; es ist aber nicht einmal wahrscheinlich. So
weisen wir auch die Kulturbezeichnungen ostisch usw. als ungeeignet zurück.
Für den Laien ist die das Buch sonst auszeichnenöe Klarheit höchst erwünscht, die
z. D. auch glücklich das Kapitel über die Römerherrschaft durchzieht: der Leser wird in
größere Zusammenhänge eingeführt. Lobenswert ist auch die außerordentliche Menge
guter Abbildungen, die meist Gegenstände im Museum betreffen. Dank einiger Bilder ist
auch die Landschastsarchäologie nicht zu kurz gekommen. Dagegen vermissen wir einen
Schrifttumsnachweis Starkenburger Arbeiten.
Das kleine schöne Land hat also in kurzer Zeit eine doppelte Bearbeitung gefunden,
die dem Fachmann reichen Fundstoff, dem Laien viele Erkenntnisse bietet. Die Arbeiten
von Behn und Koch ergänzen einander, und so kann man diese doppelte Arbeit nur will-
kommen heißen. H. Agde.
Lothar Hahl, Zur Stilentwicklung der provinzialrömischen Plastik in Germanien und
Gallien. Darmstadt, L.C. Wittich Verlag 1937. 70 S., 24 Tas. Preis: Brosch. RM. 5.—.
In dieser aufs äußerste zusammengedrängten und nicht mühelos zu lesenden Arbeit,
einer Heidelberger Dissertation, sucht der Verfasser, „einen Beitrag zur Klärung der
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