Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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Besprechungen

Im ganzen bedeutet Wahles knappe und gedankenreiche Darstellung eine willkom-
mene Bereicherung unseres Schrifttums der archäologischen Lanöesbeschreibungen, freilich
nicht in Form einer Inventarisierung und der daraus gezogenen erschöpfenden Schlüsse,
sofern hier nicht bloh das Tatsächliche der Borzeit einer schon durch ihre Lage für eine
beispielhafte geschichtliche Entwicklung bestimmten Landschaft anschaulich und vielseitig
geschildert und in den leitenden Gesichtspunkten ihrer ganzen altgeschichtlichen, die
Grundlagen für das Mittelalter und damit auch der neuen Zeit bildenden Entwicklung
vorgeführt wird, sondern auch der Blick immer wieder für ungelöste Fragen geschärft
wird. Es ist schon so, wie der Berf. S. 37 sagt, daß es gilt, aus dem kritischen Zerpflücken
des Stoffes feste Bausteine herauszuholen — zugleich als Erweis des ganzen Sinns unserer
Arbeit. Für jeden Bewohner des Oberrheins, aber auch für die der Nachbarländer und
schließlich auch für die Mittel-, Ost- und Norddeutschen ist die Schrift lesenswert, da sie
sich um die Erkenntnis der lebendigen Vorzeit unseres deutschen Bodens und Volkes
ernstlich und erfolgreich müht. P. Goeßler- Tübingen.
-i-
Marburger Studien. Herausgegeben von Ernst Sprockhofs. Wittich, Darmstadt 1938.
267 S., zahlreiche Karten und Abbildungen auf 121 Tafeln. Preis RM. 18.—.
Dieses Buch ist eine Festschrift aus doppeltem Anlaß. Am 1. Mai 1928 wurde der
erste ordentliche Lehrstuhl für Vorgeschichte in Deutschland, und zwar in Marburg er-
richtet und Prof. v. Merhart auf ihn berufen. Alle Mitarbeiter des Buches sind Schüler
v. Merharts in Marburg gewesen (bzw., wie der Herausgeber, Mitdozent) und wollen
Kunde geben von der Arbeit, die in dieser Zeit im Marburger Seminar geleistet worden
ist. Prof. v. Merhart hat sich in diesen Jahren fast ausschließlich der Lehre und der ge-
meinschaftlichen Forschung gewidmet, wie sie sich dort einstellt, wo Lehrer und Schüler auf
gleichem oder ähnlichem Gebiete forschen. Doch ist daraus keine starre Schulmeinung ge-
worden, vielmehr wirkte v. Merhart durch seine Persönlichkeit und durch Betreuung der
großen geschichtlichen Linien so, daß jeder seine besondere Art und Aufgabe freier und
tiefer entwickelte. So ist es eine besondere Freude, daß sich mit dem ersten Gedenktag, dem
zehnjährigen Bestehen des Lehrstuhls, ein zweiter verbindet, der 50. Geburtstag Herrn
v. Merharts.
Die Beziehungen Freiburgs zum Marburger Kreis sind bekannt. Garscha und Rest
behandeln einen Fund aus dem Hegau (Mägöeberg; s. in der Fundschau 'unter „Hallstatt"),
Kimmig berichtet aus seinem Trierer Arbeitsgebiet. Nmgekehrt sind die Freiburger Aus-
grabungen der Jahre 1932—1934 weithin von Marburgern ausgeführt worden, deren
Namen im Lande noch in bester Erinnerung sind: Dehn, Eckes, Hävernik, Jorns, Naß,
Stroh, K. H. Wagner, Werner. So ist es auch mir eine besondere Freude, bei Besprechung
dieser Festschrift unfern Dank auszusprechen, zumal meine eigenen Arbeiten über Nrncn-
felder- un,d Hallstattzeit mich in engere persönliche Fühlung mit Herrn v. Merhart ge-
bracht und seine charakterliche und wissenschaftliche Bedeutung kennen und schätzen ge-
lehrt haben.
Aus den 31 Beiträgen sei hier wenigstens einiges herausgegriffen, was für unsere
Leser von Bedeutung sein dürfte. W. Buttler, der in seiner Ausgrabung des band-
keramischen Dorfes von Köln>Lindental einheimische von eingeführter Keramik trennte,
geht dieser Frage des neolithischen Handels in Südosteuropa an Hand der vpondylus-
muschel und der Keramik nach- A. Stroh stellt die „Schwieberöinger Gruppe" als neue
Keramikart auf; sie ist aus der Rössener Kultur unter Michelsberger Einfluß entstanden
und endet in der Aichbühler Gruppe. Den Beginn der Bronzezeit in Mitteleuropa da-
tieren K. Dittel und O. Nenze auf Grund mittelmeerischer Vorkommnisse übereinstim-
stimmend ins 18. Jahrhundert. F. Holste behandelt Hügelgräber von Lochham bei Mün-
chen und gibt dabei einen Einblick in seins neue räumliche Aufgliederung der süddeutschen
reinen Bronzezeit. E. Sprockhofs hat den quantitativ und qualitativ bedeutendsten Auf-
satz beigesteuert, ein klassisches Beispiel moderner Typologie. O. Montelius hatte gelehrt,
aus der Form der Geräte, z. B. der Fibeln, auf ihre Entstehung, ihr Alter, ihre Ver-
wandtschaftsverhältnisse zu schließen. G. Kossinna kartierte die gleichaltrigen vtücke und
schloß aus umschriebenen Kulturgruppen auf Völker. Solche Arbeiten vereinigen also
umfassendes Wissen und einfühlende Beobachtung. Sprockhofs geht nun von einen: einzigen
Typ aus, der Spindlersfelder Fibel (in Baden nicht vertreten; Weinheim — S. 231
Nr. 129 — ist Kr.Alzey, nicht Kr.Mannheim!; als benachbart ist noch zu nennen Wollmes-
heim, Rheinpfalz), und verfolgt ihre 158 bekanntgeworöenen Vertreter durch die Zeiten
und Länder und vermag, auf dieser schmalen, aber sicheren Basis und im steten Blick auf
die Gcsamtkultur, einen spannende:^ Ausschnitt aus der bewegten Zeit der Nrnenselder-
wanderung zu geben; zugleich zeigt sich, daß die Gebiete der Germanen, „Illyrier",
„Kelten" usw. nicht derart scharf gegeneinander abgesetzt sind, wie heutige Staatengreirzen,
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