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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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https://doi.org/10.11588/diglit.42536#0026

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22

Funöschau

Wahlwies (Stockach). 2m Gewann „Pfalz" Östlich des Friedhofs eine 1,35 m tiefe
Grube mit Brandresten ohne datierende Funde (Funk-Garfcha).
Wutöschingen (Waldshut). Bei Ausschachtungen für das Aluminium-Walzwerk wur-
den Scherben und Tierknochen. gefunden (2. Schneider).
Germanen der (Spät-Latene- und) römischen Zeit.
Außer sechs Gräbern vom Atzelberg bei Ilvesheim ist vor allem die unerwar-
tete und um so erfreulichere Fortsetzung der Diersheimer Funde (III, 166; 369) um
mindestens 11 Gräber zu beachten. Die Veröffentlichung der beiden frühgermani-
schen Fundgruppen - unterster Neckar; Mittelbaden — ist ein dringendes Erfordernis
der germanisch-oberrheinischen Geschichtsforschung i.
Eine sehr erfreuliche Erleichterung unserer Arbeiten bedeutet es, daß L. Schmidt
von feiner „Geschichte der deutschen Stämme" nun „Die Westgermanen" in zweiter,
völlig neu bearbeiteter Auflage herausbringt, zunächst den ersten Teil (u. a. Kim-
bern, Teutonen; die Sweben)?. Aber das Westwärtsvordringen der Germanen um
die Zeitwende (bis an den unteren Neckar): Marburger Studien 252^ R. V.Aslar.
Diersheim (Kehl). Bei Erweiterung der Kiesgrube Heintzelmann im Gewann „Ober-
feld" 0,8 km SW, wurde das frühgermanische Drandgräberfeld erneut angeschnitten.
Hauptlehrer Schlörer-Diersheim barg von Nov. 1938 bis Mitte 2an. 1939 Funde von
18 Punkten, von denen 11 sicher Brandgräber, größtenteils mit Waffenbeigaben, waren.
Die Veröffentlichung soll der Gesamtbearbeitung der Funde von Diersheim durch Dr,
P. H. Stemmermann Vorbehalten bleiben (Dauber).
Ilvesheim (Mannheim)—Atzelberg. 1.) 21. l. Römische Brandschüttung mit einer ein-
fachen Drahtfibel mit knieförmig gebogenem Bügel.
2. ) 2. II. Aus einer Knochenaschengrube: 2 belgische Kragenrandstücke, 1 Schrägrand-
stück mit Schachbrettmuster, Randstücke eines Napfes mit gekehltem Hals, Randstück einer
kleinen Schale, Scherben eines Henkelkrugs, Hals- und Fuhstück eines kleinen dünnwandi-
gen Sigillatabechers mit kurzem Zylinderhals, 1 Eifennagel.
3. ) 4./5. ll. Gestörtes Brandgrab: geschwärzte Grube mit Knochenasche, römischen
Scherben, auch von Sigillata, die auch außen herum verstreut waren. Darunter der zur
Spielscheibe zugeschlagene Boden eines Firnisbechers, Rand- und Wandungsstücke eines
Griesbechers. Anter dieser Stelle lag das Hockergrab vom 9. II. 38.
4. ) 8. II. Brandgrab: in einer runden Grube von 60 cm Dm. und 20 cm Tiefe eine
holzkohlenreiche Einfüllung: darüber der Anterteil eines bauchigen Topfes gestülpt; in
der Mitte Knochenasche und Scherben, wie auch außen herum: 3 Scherben einer Sigillata-
bilderschüssel mit Hirfchjagdszenen, 1 bemalter Teller mit geschwungener Wandung nebst
Bodenstücken mit schwer leserlichem Stempel, 1 Teller mit eingewölbtem verdicktem Rand,
Scherben eines Henkelkruges, 9 große Sisennägel und 12 kleine, nur 2 cm lange, Randstück
eines dickwandigen Tellers mit eingezogenem Rand, 2 Kragenrandstücke eines belgischen
Napfes, 2 Falzrandstücke eines kleinen bauchigen Topfes, gut erhaltene Holzkohlenstücke,
1 verbranntes Sigillataboöenstück und andere Sigillatascherben.
5. ) 9. II. Die Reste eines Brandgrabes: verbrannte Scherben einer Sigillatabilder-
schüssel, eines rottonigen Henkelkruges, rote Sigillatascherbe: großer Gladiator nach rechts
1 H. Agde hat im Mannus 30, 1938, 703 die Auffassung vertreten, schon in der ältesten Latenezeit
seien Germanen in Süddeutschland nachzuweisen und begründet dies mit der Ähnlichkeit von böhmisch-
elbgermanischen Gefäßen mit solchen aus Württemberg, Hessen und Nordbaden (Feudenheim, Wagner II
208 Fig. 171). Historisch denkt er etwa an die Gaesaten oder Tylangii-Tulingi. Wer in dieser Richtung
sucht, — Skeptiker werden die Formgleichheit darauf zurückführen, daß die germanische Töpferei dieser Zeit
unter Lateneeinfluß stand, ferner verlangen, daß ähnliche Ware aus keltischen Siedlungen wie Altenburg-
Sinkelosebuck (II, 266 ff.) oder vom Mägdeberg (Marburger Studien 54 ff.) zum Vergleich mit heran-
gezogen werde —, wird auch die Brandgräber des älteren Latsne aus Singen (II, 200) und das Brandgrab
von Welschingen (I, 212 f.) erörtern.
2 München 1938. — K. Hofmann hat seine verfehlten Versuche (vgl. die Besprechung I. Wertes 13,
1937, 139 f.) zu verteidigen gesucht („Schwaben und schwäbische Siedlungen in Baden" 1938). Es genügt,
auf L. Schmidt S. 9^ zu verweisen.
 
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