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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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https://doi.org/10.11588/diglit.42536#0042

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38

F. Mvog

unsicher ausscheiden. Sörgel hat Bedenken, die Tierknochen mit der Anwesenheit
des Menschen in Beziehung zu bringen, weil der Prozentsatz der jungen Tiere im
Gegensatz zu Mauer und Weimar, zu gering ist. Bon einer anderen Fundstelle der
Gegend von Emmendingen liegt im Museum für Urgeschichte in Freiburg ein
Schlagstein aus Granit", der nach Angaben von Steinmann in der Rekurrenzzone
des jüngeren Löh bei der Sonntagschen Papierfabrik zusammen mit Knochen vom
Mammut, Rhinozeros, Pferd, Löhschnecken sowie Holzkohle gefunden worden ist.
Da auch dieser Fund schon Ende des vorigen Jahrhunderts gemacht worden ist
und Steinmann nichts darüber veröffentlicht hat und die -erwähnten Knochen heute
unauffindbar sind, so kann auch hier nichts Sicheres gesagt werden. Die Lage an
der Basis des jüngeren Löh würde für Mousterien sprachen. Im jüngeren Löß von
Munzingen am Tuniberg bei Freiburg i.Br. besitzt Baden durch die Ausgra-
bungen A. Padtbergs" eine Niederlassung aus dem frühen Magdalänien von inter-
nationaler Bedeutung. Für die Einreihung des jüngsten Paläolithikums in das
chronologische Schema spielt Munzingen eine grundlegende Rolle. Beim Kuckucks-
bad am Olberg (Gemnrkung Ehrenstetten) bei Freiburg i.Br. hat R. Lais"
durch Grabung im Schuttkegel vor der Höhle im jüngeren Löh eingelagert Feuer-
steingeräte zusammen mit Resten vom Wildpferd gefunden. Diese Funde „sind
gleichaltrig mit Pferdezähnen und einem Absplih, die schon früher in dieser Höhen-
lage gefunden worden sind. Sie sind älter als das Spätmagdalänien der Höhle selbst
und die vereinzelten im Schuttkegel gefundenen Werkzeuge, aber jünger als die an
der Basis des Löh gefundenen zahlreichen Knochenreste, von denen einige Bear-
beitungsspuren zeigen" (R. Lais). Die Lagerung der Hauptkulturschicht in der Höhle
ist nach W. Deecke" entgegen den Angaben von L. Zotz" kein primärer Löh, son-
dern von oben abgeschwemmtes Material. Im Iahre 1934 gelang es E. Gersbach",
im älteren Löh von Murg (A.Säckingen) (s. Karte Abb. 1) eine weitere paläolithi--
sche Freilandstation aufzufinden, die einmal große Bedeutung erlangen kann. Die
Werkzeuge scheinen sich über die ganze Mächtigkeit der älteren Löhformation zu
verteilen. Leider lieh sich gerade bei den ersten Funden, die brauchbare Typen dar-
stellen, die geologische Lagerung nicht mehr genau feftstellen, so daß heute noch nicht
feststeht, ob eine oder mehrere Kulturen vorliegen. Die große wissenschaftliche Be-
deutung von Murg liegt aber darin, daß typologisch brauchbare Stücke eine ein-
wandfreie geologische Datierung zulassen und so einen Vergleich mit gleichaltrigen
Stationen ermöglichen. Endlich gelang es dem Verfasser, im Iahre 1936 auch im
älteren Löh von Wyhlen" (A.Lörrach) sichere Spuren für die Anwesenheit des
Eiszeitmenschen aufzufinden, denen die vorliegende Arbeit gewidmet ist.
III.
Seit etwa 8 Iahren beschäftige ich mich mit den diluvialen Deckschichten auf
den Terrassen des Hochrheintals. Da das Deckschichtenprofil von Wyhlen eines der
wichtigsten und vollständigsten Profile am Hochrhein ist, so habe ich ihm stets be-
sondere Aufmerksamkeit gewidmet. Durch das Entgegenkommen der Sodafabrik
Wyhlen war es mir möglich, beim Abbau auftretende Funde von Knochen sofort an
" Dad.Fber. 14, 1938, S. 6.
" 2l. Padtberg, Das altsteinzeitliche Lößlager von Munzingen. Augsburg 1925.
" Bad.Fber. III, 1936, S. 348.
" Prähift. Zeitschr. XX, 1929, S. 265.
" Prähift. Zeitschr. XIX, 1928, S. 1 ff.
" Vad.Fber. III, 1935, S. 316 ff. (G. Kraft). Quartär I, 1938, S. 184 (L-F. Fotz).
Vad.Fber. 14, 1938, S. 10.
" Vad.Fber. 14, 1938, S. 10.
 
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