Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.42536#0055

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Paläolithische Freilanöstation im älteren Löh von Wyhlen Amt Lörrach

5l

verläuft der äußerste Eisrand etwa 2,5 km nördlich von Murg entlang dem Hang
des Hotzenwaldes. Zur Zeit der größten Cisausdehnung hat also der Rihgletscher
bis aus 54O m Höhe auf den Schwarzwald hinaufgereicht. Aach diesem, nach Erb
nicht sehr lange dauernden Maximalstand, erfolgte ein Rückzug, der aber mit dem
äußersten Stand eng zusammenhängt. Diesem ersten Rückzugsstande aus dem
äußersten Gletscherstand, gehören nach Erb die diluvialen Tone mit Pslanzenresten
von Zechenwihl an (1,2 km nordöstlich Murg). Danach ist ein stärkerer Rückzug des
Eises aus einen Stand erfolgt, in welchem der Gletscher lange verweilte. Dieser
Stand hat deutliche Grundmoränen und ein mächtiges Schotterseld hinterlassen.
In rund 380 m Höhe gehören zu diesem Gletscherstand die Moränen südlich von
Aiederhos-Diegeringen, sowie diejenigen von Lausenburg-Sitt u. a. Hierzu ge-
hören weiter auch die Moränen etwa 200 m nördlich von der paläolithischen Sta-
tion Murg. Weiter im Westen gehören diesem Gletscherstande an die Moränenvor-
kommnisse im Gewann „Schneckenhalde" und Gewann „Böhle" nördlich von Säk-
kingen. Deutlich sind an den genannten Örtlichkeiten sowohl in 360 m als auch zwi-
schen 330-340 m Meereshöhe Endmoränenzüge des Rißgletschers zu erkennen. Zu
diesem zweiten Stande gehört dann auch nach Erb die Hochterrasse zwischen Klett-
gau und Säckingen. Aus der Lage der Murger Station im Bereich dieser End-
moränen ergibt sich, daß die Funde jünger sein müssen als die Moränen. Es sei
dahingestellt, welcher dieser beiden Stände als Riß I bzw. Riß II im Sinne Sörgels
zu bezeichnen ist.
Aach der von Sörgel^ für die nordischen Vereisungen entworfenen Ver-
eisungskurve kam es bei der Rückschmelzung der Riß Il-Kalotte, durch ein neu aus-
tretendes Strahlungsminimum, zu einem erneuten Vorstoß des Gletschers. Diesem
entspricht nach. Sörgel im Gebiet der Thüringer Flüsse die 4. mitteldiluviale Ter-
rasse. Hiermit stimmen nach den Untersuchungen B. Eberls 3» die Ergebnisse im
Gebiet der alpinen Vergletscherung gut überein. Aus der „Iller-Lechplatte" konnte
Eberl ebenfalls eine Schotterterrasse aussondern, die jünger sein muh als Riß II
und einem kleinen letzten Vorstoß des Rißgletschers angehört. Die Entwicklung
dieses Vorstoßes aus einer großen Restkalotte der Riß II-Vereisung fordert nach
Sörgel, diesen Vorstoß künftighin als Riß III zu bezeichnen. Nach der oben gegebe-
nen Interpretation kann für die Löhstation Murg m. E. frühestens ein Riß III-
Alter in Frage kommen. Mir scheint der typologische Befund einer solchen Alters-
ansetzung nicht zu widersprechen. Es ergäbe sich daraus ein absolutes Alter der
paläolithischen Station Murg zu rund 140 000 Iahren.
IX.
Als Ergebnis können wir feststellen, daß wir im älteren Löß von Wyhlen
eine gesicherte Station des altpaläolithischen Menschen haben, wenn auch bisher
Werkzeuge einer bestimmten Kulturstufe noch fehlen. Die große wissenschaftliche
Bedeutung von Wyhlen liegt in der Möglichkeit einer genauen Altersansetzung aus
geologisch-stratigraphischem Wege. Die Deckschichten von Wyhlen gestatten eine
Eingliederung in die Vollgliederung des Eiszeitalters von Sörgel und damit eine
absolute Datierung der paläolithischen Fundstelle. Die Station ist ein Beispiel da-
für, wie beim Fehlen von typischen Werkzeugen einer bestimmten Kulturstufe auf
stratigraphischem Wege das absolute Alter der Funde ermittelt werden kann. Die
große Bedeutung der Diluvialgeologie für die Erforschung der eiszeitlichen Kul-
3" W. Sörgel, Die Vereisungskurve, S. 54 f.
33 V. Eberl, Die Eiszeitenfolge im nördlichen Alpenvorlande, Augsburg 1930.
 
Annotationen