Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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Fr. Kuhn

Geschichtliche Ergebnisse.
Eine erdrückende Fülle von Gründen sprechen dafür, daß der römische Herr-
schaftsbereich sich schon um die Mitte des 1. Jahrhunderts bis zum Fuß des
Schwarzwaldes und des Odenwaldes erstreckt hat. Sie sind sehr viel zahlreicher als
etwa die Funde von germanischen wie auch römischen Siedelungen aus der Zeit
nach dem Fall des Limes. And doch wissen wir aus Schriststellernachrichten, daß
eine dichte alemannische Bevölkerung vorhanden war. Inwieweit eine militärische
Besetzung in der Frühzeit erfolgte oder überhaupt notwendig war, ist eine Sache
zweiter Ordnung. Die Fragestellung Barthels (S. 125) „Einer gleichzeitigen Be-
setzung beider Talsohlen war aber das obergermanische Heer nie gewachsen. Die
Kastelle des rechten Rheinusers setzen die Räumung derer auf dem linken voraus"
trifft nicht den Kern der Sache.
Wir wissen, daß Flüsse keine Völker- und Kulturgrenzen sind. Am wenigsten
konnte es der Rhein sein in dem Zustand vor der Korrektion des 19. Jahrhunderts.
Das beweist die Geschichte der Oberrheinlande von der Vorzeit bis heute. Gerade
die Bodensunde aller Abschnitte der Dor- und Frühgeschichte sind auf beiden Sei-
ten des Stromes dieselben und reden eine deutliche Sprache. Aber auch die Römer
waren sich dieser Tatsache Wohl bewußt. Niemand anders als Tacitus spricht das
in seiner „Germania" ganz klar aus, wo es heißt: „Nördlich des Decumatlandes
wohnen die Chatten. Ihr Gebiet beginnt am herzhnischen Wald" (30. Kap.). — „Den
Chatten zunächst wohnen am Rhein, der dort schon ein festes Fluhbetthat
und eine Grenze sein kann, die Asipier und Tenkterer" (32. Kap.)". Der
Oberrhein mit seinem wechselnden Lauf, seiner Vielzahl von Armen und Inseln
konnte also in römischer Zeit keine politische Grenze sein, das ist der zwingende
Schluß, der sich aus diesen Sätzen des Tacitus ergibt. Wenn den Römern ein men-
schenleeres Vorland wie am Niederrhein aus militärischen Gründen erwünscht war,
dann sind in Süddeutschland der siedlungsfreie Schwarzwald und Odenwald die
beste Schranke gewesen, um den Einbruch in ihr Reich zu verhindern. Das Kastell
Hüfingen und die Befestigungen am Taunus hatten die Aufgabe, die Flanken
dieses Gebirgswalles zu decken.
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