Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 15.1939

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Besprechungen

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sondern Mischgruppen mit eigener Art und Bedeutung bestanden. Ähnlich arbeitet
H. Piesker für das germanische Gebiet im Lüneburgschen eine zweite Kerngruppe neben
der dänischen heraus. Aus der süddeutschen Arnenfelderkultur bringt R. Eckes den ebenso
seltenen wie erwünschten Fund einer Töpferei. W. Jorns gliedert die oberhessische Hall-
stattzeit. Aus der Latenezeit erwähne ich neben Dehn, Hahn, Hävernik, Kersten
die ausgezeichnete Ausgrabung und Veröffentlichung eines keltischen Schildes von Horath
durch W. Kimmig. In die Zeit der Alemannenstürme führt I. Werner, indem er
Hortfunde römischer Bronzegesäße von der Art unseres von Waldkirch zusammenstellt;
sie fallen in die Zeit von 233 bis etwa 275; nähere Datierung muß durch Münzschätze er-
folgen (s. Fundschau unter „Römisch"); im freien Germanien (Thüringen) ist zwischen
Beutestück und Einfuhr zu unterscheiden..
Diese Einblicke in den Inhalt mögen einen Begriff von der Qualität der „Marburger
Studien" und damit von der Lehrtätigkeit v. Merharts geben; es ist alles, mit einem Aus-
druck des Bauhandwerks, „astfreies Kernholz".. Diese Gleichmäßigkeit ist um so höher ein-
zuschätzen, als die Beiträge „je nach Neigung oder Arbeitsgebiet" eingeholt worden sind.
Man wird darum auch manchen Lücken, z. B. dem Fehlen der Alt- und Mittelsteinzeit,
auch der Merowingerzeit, keine allzu große Bedeutung beimessen. Wenn alle Arbeiten sich
unmittelbar am Material bewegen, und allgemeine Fragen, z. B. Volksgrenzen und Han-
del, nur von hier aus angegangen werden, so ist das Methode und Buttlers Erschließung
des Keramikhandels beweist, daß sie erfolgreich ist. Niemand, der v. Merhart persönlich
kennt, wird auch nur einen Augenblick im Zweifel sein, daß er Ausgrabung und Typologie
nur als Weg, nicht als Ziel, ansieht. Eben darum wäre es aber angebracht gewesen, we-
nigstens an einer Stelle, im Vorwort, dies auszusprechen, — wenn diese Beschränkung
auf den Kern unserer Wissenschaft bewußt erfolgt ist. Einer Art Schreibfehler dürfte es
ferner zuzuschreiben fein, wenn die Lage Deutschlands „zwischen dem Norden und dem
Donauland" bestimmt wird; der Westen ist auch noch da und hat in der Vorgeschichte,
z. D. in der Michelsberger und Glockenbecherkultur und durch die Kelten eine gerade für
Marburg recht wichtige Rolle gespielt. And ebensowenig würde es dem Jubilar Eintrag
getan haben — wenn schon der Titel „Marburg" und nicht die Person nennt —, wenn der
„Vorgeschichte" des Seminars gedacht worden wäre; W. Bremer ist der Gründer des
Marburger Seminars, sowohl in seinem umfassenden Lehrcharakter (und gerade auch in
der Begründung der Lehrsammlung) als in seiner landschaftlichen Tätigkeit, für ihn ist
der Lehrstuhl geschaffen worden — der Tod verhinderte ihn zu besteigen —, er hat die
Beziehungen zu Irland angeknüpft und von den Schülern seiner kurzen Lehrtätigkeit sind
zum mindesten Neumann und Langsdorfs nach Herkunft und Leistung „Marburger".
G. Kraft.
W. Barthel - C. Atzenbeck, Handlexikon der deutschen Vorgeschichte. 2., erweiterte
Auflage. Durchgefehen und in wesentlichen Teilen nach neuesten Ergebnissen überarbeitet
und ergänzt von Dr. Waldtraut Bohm. 432 S., zahlreiche Abbildungen. 1938. W. Kürzt,
München 1938. Preis RM. 12.80.
Die rasche Erschöpfung der ersten Auflage zeigt, wie sehr das Werk einem Bedürfnis
entsprach. Die 2. Auflage ist von fachmännischer Seite überarbeitet. Das Werk bringt teils
Verweise, teils ausgezeichnete orientierende Abhandlungen z. B. über „Ackerbau", „Indo-
germanen", „Streitäxte", „Pfahlbau", die durch zahlreiche vorzügliche Abbildungen und
Karten erläutert und durch erschöpfende Literaturangaben begründet werden. Anter Be-
tonung des rassischen Elements werden schwebende Erörterungen umsichtig referiert. Zeit-
lich liegt das Schwergewicht auf Stein- und Bronzezeit; Süddeutschland kommt zu kurz weg
(z. B. Arnenfelöer, Hallstatt), die nachchristlichen Perioden sind nicht im einzelnen behan-
delt. Das Buch ist ein sehr willkommenes, handliches, anschauliches Nachschlagewerk, veine
Fortsetzung sür die frühgeschichtliche Zeit wäre sehr erwünscht. T. K.
Advlf Rieth, in Zusammenarbeit mit Günter Grvschopf, Die Entwicklung der Töpfer-
scheibe. Curt Kabitzsch, Leipzig 1939. „117 S., 121 Abb., 2 Tafeln. Preis RM. 12.—.
Während man früher nur unterschied zwischen Gefäßen, die aus freier Hand geformt,
und solchen, die auf der Töpferscheibe gedreht waren, wies A. Rieth an der Arnenfelder-
und Hallstattkeramik nach, daß dabei Hilfsmittel einfacher Art benützt worden sein müssen,
nämlich drehbare Formplatten bzw. stützende Formschüsseln. Als Beispiel für steinerne
Formplatten bildet Rieth, S. 6, Abb. 3 und 4, solche von I l v e s h e i m - Atzelbuckel ab zu-
sammen mit andern Funden dieses so überaus wichtigen schnurkeramischen Wohnplatzes;
dank dem Entgegenkommen von Verfasser und Verlag können wir beide Druckstöcke anbei
wieöergeben.
In seiner neuen Arbeit geht er nun dem bedeutsamen Vorgang nach, der die Flieh-
kraft in den Dienst des Menschen stellte, indem die Scheibe (Formplatte) fest auf einer
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