Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

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und glänzend von Glasglanze. Herr ProfesTor Hunger fand diese nämlichen
Krystalle in einer Bergart bei Passau, die, nach der Beschreibung, ebenfalls
Sienit ist, und schickte sie dem Herrn ProfesTor Klaproth, welcher sie che-
inisch untersuchte, und ein ganz neues bisher unbekanntes Metall in ihnen
enthalten fand, welches er Titanium, diese Krystalle selbst aber Titanit ge-
nannt hat. *) Ausser demselbcn kommen, mit ihm zugleich, in diesem Sienit
an einigen Orten kleine, jenem an Farbe ähnliche Gra n a tkrystall e vor, Sie
sind von der Grösse einer Linie bis zu zwei Linien und sechsseitige Säulen mit
vier Flächen zugespitzt. Mit blossen Augen kann man den Titanit und Granat
nicht so leicht unterscheiden , weil die Krystalle so klein lind ; allein da der
Granat sehr hart ist, keinen Strich giebt, und geglüht vom Magnet gezogen
wird, so kann er dadurch sehr leicht erkannt werden. — Beide, sowohl den
Titanit und die Gr an a tkrystall e entdeckte der Herr Inspektor Köhler allhier.
Über diesem Sienitgebirge, an beiden Thalrändern hin, lieht man drei
merkwürdige Lagen von Flötzgebirgsarten über einander, die den Naturfor-
scher in ein angenehmes Eritaunen setzen. Sie enthalten die augensch ei nlich 11en
Beweisse, dass diese Gegenden von den Finthen des Meeres überschwemmt
worden lind weil sie eine Menge Seegeschöpfe zurückgelausen haben.
Die erlie dieser Lagen, welche bei Koschitz und Dölzschen auf dem Sienit
liegt, ist ein hohes Sanditemnötz, welches an ersterm Orte, horizontal ge-
schichtet, gegen vierzig Ellen aufiteigt. Es ist keinem Zweifel unterworfen,
dass es von den Meergewälsern hier abgesezt worden, weil es auf beiden Sei-
ten eine unzähliche Menge versteinerte Muscheln enthält, die besonders in der
Genend von Dölzschen von vielerlei Arten sind. Die ob erste Schicht dieses
Sandsteins, sowohl in den Steinbrüchen am Rande des Grundes, als in den
Köselntzer Feldern, ist mürbe und taugt nichts zum bauen; allein die folgen-
den Schichten lind desto fester, nur zum brechen wieder zu kostspielig. Die
Ichöne Brücke am Eingang des Thals ist aus diesem Sandstein erbaut. Zu Ge-
bäuden, welche der zerstörenden Witterung mehr als gewöhnlich ausgesetzt
smd, wäre er vorzüglich zu empfehlen; denn da er schon so feit auf dem
*) Man sehe seine Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralkörper, S, 1245. u. fg.
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