Becker, Wilhelm Gottlieb; Tauber, Andreas [Editor]; Pursh, Frederick [Editor]; Block, Ludwig Heinrich von [Editor]
Der Plauische Grund Bei Dresden: Mit Hinsicht Auf Naturgeschichte Und Schöne Gartenkunst ; Mit fünf und zwanzig Kupferblättern — Nürnberg, 1799

Page: 111
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Mit Lächeln denkt man an das Mährchen vom ZauberschlosTe, wenn man
dem erhabenen Berge näher kömmt; und lieh dem Eindruck überlässt, den
seine Höhe vor allen übrigen Bergen hervorbringt. Allein der schief gegenüber-
stehende Burgwartsberg macht ihm vielleicht die Grösse der Reichthümer streitig,
welche die Fabel ihm zuschreibt; denn in diesem ist eine ganze Braupsanne voll
Gold verzaubert. Auch lieht man zuweilen ein Licht auf dem Berge, was
das sicherste Zeichen eines dort verborgenen Schatzes ist. — Wem einft die
Hebung dieser Schätze bestimmt ist, dem wunsch' ich zugleich Geschmack an
der schönen Natur, um diese ganze Gegend an sich zu kaufen und sie zu
einem Ideale romantischer Landschaft zu bilden.
Doch es ist Zeit', die Fabel bei Seite zu setzen, und wieder auf inte-
resssantere Ge^enstände zurück zu kommen. So unwahrscheinlich es ilt, dass dieses
ganze Thal, nebst den auf den Höhen liegenden Rittergüthern, jemals einem
einzigen Herrn gehören werde, so will ich doch itzt diesen Fall als möglich
annehmen, um meine Gedanken über eine Verschönerung dieser herrlichen
Landschaft mitzutheilen, und um den Unterschied, der zwischen Naturgärten
und verschönerten Landschaften Statt findet, einigermassen zu bestimmen und
anschaulich zu machen.
Sobald diese ganze Gegend zusammen gehörte, so würde He mit Recht eine
bedeutende Herrschaft heissen, und der Beßtzer derselben besässe Vermögen
genug, die Verschönerung möglich zu machen, die ich mir denke. Der Ertrag
der sämmtlichen Güther, der eher vermehrt als vermindert würde, verbunden
mit dem Ertrage der bedeutenden Kohlenwerke, der Mühlen, des Bierbrauens,
der Waldungen, würde gewiss beträchtliche Einkünfte geben. Bei solchen
könnte dann schon der Beßtzer ein grosses geschmackvolles Landhaus haben,
was ihm zur beständigen Wohnung diente. Die schicklichsle Stelle dazu, in
Rücklicht auf Himmelsgegend und Auslicht, scheint mir die Höhe von Döhlen
zu geben. Hier läg' es über die Fläche des Thals erhaben, ohne deswegen
einer beschwerlichen Anfahrt ausgesetzt zu seyn, und beherrschte dalselbe nebst
den sanfteren Höhen, die zu demselben herabsteigen, bis zu den Eingängen
der beiden bekannten Gründe, davon der eine nach Dresden, der andere nach
Tharand führt. Gegenüber läge der majestätische Windberg, der gerade von
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