Weyden, Rogier van; Beenken, Hermann
Rogier van der Weyden — München: Bruckmann, 1951

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VORWORT

Meinem 1941 in erster, 1943 in zweiter Auflage erschienenen Ruche über Hubert und Jan van Eyck lasse
ich nunmehr eines über Rogier van derWeyden folgen, den dritten und in seiner unmittelbarsten
Wirkung einflußreichsten unter den großen altniederländischen Malern. Dem Lehrer Rogiers, Robert
Campin, der diesen drei Großen von manchen als ein Ebenbürtiger an die Seite gestellt wird, ist hier nur
ein vergleichsweise kurzes Kapitel gewidmet. Es ist nicht zuletzt der Zweck dieses Buches, darzulegen, daß
Rogier selber, so sehr er auch in seinem Schaffen diesem seinem Meister verpflichtet gewesen, die ungleich
tiefere und mächtigere Persönlichkeit war.
Rogiers CEuvre wird hier von manchen Zuschreibungen befreit, die das Bild seiner Größe immer noch
trüben. Eine Reihe von Arbeiten, die bisher, mehr oder weniger unangefochten, als von ihm herrührend
gelten, sind hier nicht in seine Entwicklung miteingeordnet, weil sie, wie ich glaube, bestenfalls nur aus
seiner Werkstatt herrühren. Einige dieser verworfenen Bilder habe ich freilich im Original nicht gesehen,
und mein Urteil gründet sich nur auf Photographien. Meine Meinung, die ich nur anhangweise kurz
und meist ohne Begründung gebe, mag daher als einer Revision bedürftig angesehen werden. Selber
glaube ich jedoch, daß die Fälle, in denen für das Urteil eine Autopsie unbedingt erforderlich ist, durchaus
in der Minderzahl sind. Das nach meiner Meinung Zweifelhafte und die bloßen Werkstattarbeiten läßt
auch der Bildteil dieses Buches absichtlich möglichst zurücktreten. Es erschien mir wichtiger, das Echte
und Wesentliche des originalen malerischen Werkes von Rogier vollständig und mit vielen Details abzu-
bilden. Dafür, daß mir dies möglich gemacht wurde, bin ich dem Verlag F. Bruckmann sehr dankbar.
Dankbar bin ich ferner zahlreichen Fachgenossen, die mich mit Rat und Tat unterstützten, namentlich
Herrn Dr. Wilhelm Houben, London, der mich in ausführlichen Briefen länger als ein Jahr hindurch über
den Stand der neueren internationalen Forschungen auf dem laufenden hielt, der mir seltene Photogra-
phien vermittelte und dem ich mancherlei Anregungen und auch die Möglichkeit, jetzt, nach dem Kriege,
einige Originale wiederzusehen, verdanke. Nächst ihm weiß ich mich Herrn Professor Dr. Friedrich Wink-
ler, Berlin, besonders verpflichtet. Auch den Kollegen an den ausländischen Museen, in denen sich Bilder
Rogiers befinden, danke ich für die Photographien und die Mitteilungen, die sie mir zugehen ließen.
Nicht zuletzt auch meinem Assistenten, Herrn Dr. Elmar Lang, Aachen, der mir bei der Durchsicht des
Manuskriptes und der Korrekturen behilflich war.
Aachen, Oktober 19)0 H. Beenken

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