Weyden, Rogier van; Beenken, Hermann
Rogier van der Weyden — München: Bruckmann, 1951

Page: 106
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NACHTRAG

Während der Korrekturlesung für dieses Buch erhielt ich durch freundliche Vermittlung von Herrn Paul Wallraf,
London, von der Kunsthandlung Wildenstein, New York, eine Photographie des im Herbst 1950 bei Christies in London
in ihrem Auftrag ersteigerten Porträts Abb. 114, das bis dahin unbekannt war. Die in den Maßen nicht eben große Tafel
scheint mir dem Stil und der Tracht des Dargestellten nach eines der frühesten Werke zu sein, die wir von Rogier be-
sitzen, früher vielleicht noch als das des Guillaume Fillastre (Abb. 17), gleichzeitig ungefähr mit dem kleinen Her-
mannstadter Goldschmiedebildnis des Jan van Eyck.
Der Dargestellte füllt, nicht zuletzt durch seine reichgeschmückte Kopfbedeckung, die Bildfläche so weit aus, daß von
der Hintergrundfläche kaum mehr etwas sichtbar bleibt. Die in der rechten unteren Ecke übereinandergelegten Hände
sind hoch vor die Brust genommen. Der Mund des noch ziemlich jungen Mannes ist — offenbar gewohnheitsmäßig —
ein wenig geöffnet, ein Motiv, das in dieser frühen Bildnismalerei ungewöhnlich erscheint. Die geringe Plastizität dieses
Gesichtes und auch der Hände ist weder eyckisch noch flemallisch. Überhaupt überwiegt das Lineare, sowie in diesen
frühen Jahren einzig bei Rogier, dessen persönlicher Stil sich in dem schönen Werke besonders entschieden auch wieder
von dem seines Lehrmeisters Campin absetzt.

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