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Abschnitt IV: Die Schiffsbilder.

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Hieroglyphe der 5. Dynastie1 (Abb. 21,5). Hier sieht man zwei Spitzen über der Mitte des
Segels, aber unter dem Segel erscheint nur der einfache spätere Mast, nicht, wie
man doch unbedingt erwarten müßte, der alte Bockmast mit zwei Schenkeln. Ist es
nicht wunderbar, daß dieser letztere sich überhaupt so garnicht in den Hieroglyphen wider-
spiegelt? Beistehende Abbildung (Abb. 21) wird dieses und das Folgende erläutern. Jene
seltsame Zeichnung: wird auch nicht verständlicher
durch Abbildung 21, 1. 2. 4 sowie durch die Hiero-
glyphe 6 aus der 18. Dynastie, wo zwar das
breite Segel und der einfache Mastfuß zeitgemäß
erscheinen, aber keineswegs der über dem schma-
len Fuß zu unnatürlicher Breite anschwellende Mast
mit seinen zwei Spitzen. Die Hieroglyphe 3
(18. Dyn.) gleicht etwa einer Stimmgabel, deren
Zinken durch Ouersprossen verbunden sind; dieses
Zeichen, welches öfters in dem Wort für Schiff
erscheint2, soll, wie die Fachleute meinen, den
Mast vorstellen. Ein durchaus gleichartiges Zei-
chen bedeutet nun aber in den älteren Pyramiden-
texten die Leiter, während die jüngere Form
dieses Zeichens die richtige, uns geläufige Leiter
abbildet3. Obgleich der Gebrauch einer in einen
einzigen Fuß auslaufenden Leiter wohl nirgends in
der Welt nachzuweisen ist, so wird man doch nicht umhinkönnen, das Dasein eines der-
artigen Gerätes im alten Reiche für wahrscheinlich zu halten. Dann ist aber auch dem
gleichgeformten Mäste, so unverständlich er auch für uns sein mag, eine Daseinsmöglichkeit
schwer abzusprechen, zumal die queren Sprossen zwischen den Mastschenkeln ja durch viele
Bilder und einige Totenschiffchen erwiesen sind. Das älteste (etwa 3. Dyn.) mir bekannte
Zeichen für Segel findet sich schon in Medum4: ein rechteckiges, mehr hohes als breites,
längs- und quergestreiftes, gelbes Segel hängt am einfachen Mäste.

Wir sind am Ende unserer Betrachtungen über die Schiffsbilder aus dem Totentempel
des Königs S'ashu-re\ Diese wertvollen Fundstücke erzählen uns überraschend viel Neues,
Unbekanntes von der Schiffstechnik einer Frühzeit, welche an keinem anderen Ort der Erde
so fein gezeichnete, große Darstellungen hinterließ. Neu sind besonders für das gesamte Alter-
tum die Verschnürungen der Rumpfhölzer, der Mastgalgen, das von mir als Hebezeug ge-
deutete Vorgeschirr, die durchlochten Rundblöcke, für Ägypten auch die Leiter am Heck.
Die Seeschiffe des S'ashu-rec werden zu den Grundsteinen unseres Wissens vom Schiffbau der
Menschheit gehören.

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Abb. 21. Hieroglyphen, den Mast mit und ohne Segel
darstellend.

1 aus der Unas-Pyramide 417

2 „ „ „ „ 375

3 „ Naville, Deir el bahari Bl. 41

4 „ der Unas-Pyramide 449

5 „ „ „ „ 388

6 „ Naville, Deir el bahari Bl. 116

1) Bei Möller, Hieratische Paläographie I 36 Nr. 379.

3) Vgl. Schack-Schackenburg, Ägyptologische Studien 1, 120.

2) Brugsch, Ägyptol. 250.

4) Flinders-Petrie, Medum Bl. 14.

Borchardt, S'a3hu-rec II.
 
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