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Borchardt, Ludwig
Das Grabdenkmal des Königs S'aḥu-Re (Band 2,1): Die Wandbilder: Text — Leipzig, 1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.3367#0020
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IL

Beschreibung der Wandbilder.

i

In diesem Abschnitte soll die Beschreibung der Wandbilder gegeben werden, soweit
sie für die Kunstgeschichte, die Kulturgeschichte und die Geschichte im allgemeinen von
Interesse sind. Die Inschriften werden dabei nur insoweit Berücksichtigung finden, als sie
für die Erklärung des Dargestellten Bedeutung haben. Genauer wird Prof. Sethe auf
das Inschriftliche im folgenden, dritten Abschnitt eingehen. Beide Abschnitte sind nach der
Folge der Blätter so angeordnet, daß die Parallelstellen darin auch ohne besondere Verweise
leicht zu finden sind.

Blatt I. Libysche Beute. Die Stelle dieses Bildes im Bau ist völlig sicher. Die
riesige Platte, auf der es sitzt, wurde noch unweit von ihrem alten Platz in der Südwestecke
des Säulenhofes gefunden. Das vertikale, hier einfacher als sonst üblich gezeichnete Band-
ornament an der rechte Seite neben der Plattenfuge zeigt außerdem, daß wir hier das letzte,
westlichste Bild von der Südwand dieses Hofes vor uns haben. Das erhaltene ist etwa der
dritte Teil des ganzen Bildes. Ermittelt man danach dessen Breite, so ergibt sich ein Maß,
das annähernd dem vierten Teil der ganzen Länge der Südwand des Hofes entspricht. Man
darf 'also wohl vier gleichartige Bilder dort annehmen, ebenso auf der Nordwand, vor der
auch Fragmente ähnlicher Darstellungen gefunden wurden. Ob etwa auf den Ost- und West-
wänden neben den Türen nochmals je zwei ebensolche Bilder angebracht waren, das zu ent-
scheiden fehlen uns Anhaltspunkte.

Das ganze Bild bestand einst aus einer großen Mittelgruppe, die den König zeigte,
wie er einen gefangenen libyschen Fürsten erschlug; links, d. h. dahinter, befand sich das
Gefolge, rechts, d. h. davor, die Beute, nämlich andere Gefangene und erbeutete Tiere. Die
erhaltene Platte zeigt nur das rechte Drittel und einen schmalen Streifen der Mitte.

Von der großen Mittelgruppe ist nur eine Ferse und die Wade sowie ein Ellenbogen
des niedergeworfenen Libyerfürsten erhalten; denn daß es sich um das Niederschlagen eines
Fürsten der Libyer handelt, besagt der darüberstehende Inschriftrest. Es ist aber nicht etwa,
wie man vielleicht denken könnte, ein Kampf dargestellt, sondern das Erschlagen eines
gefangen eingebrachten Fürsten vor den zu dieser feierlichen Handlung in den Boden ein-
gesteckten Feldzeichen. Die beiden vertikalen Linien, die hinter der Wade des Nieder-
gesunkenen verschwinden, sind die Stangen dieser Standarten. Diese Feldzeichen spielen
 
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