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Borchardt, Ludwig
Das Grabdenkmal des Königs S'aḥu-Re (Band 2,1): Die Wandbilder: Text — Leipzig, 1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.3367#0082
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III.

Die Inschriften.

Von
Kurt Sethe.

Blatt l. Libysche Beute. Links über dem knieenden Gefangenen, den der König
mit der Keule erschlug: [ft^J^y] \ [|] ( ^ , „Erschlagen der HHjw- von Thnw (Libyen)".
Die Sitte, die Kriegsgefangenen zu erschlagen, muß ursprünglich allgemein gewesen sein,
wie die Bezeichnung der Kriegsgefangenen I __„\ T ff skr~nki d- i. „lebender Zuerschla-
gender" lehrt, die denselben Ausdruck für das Erschlagen enthält.

Als Objekt des Erschlagens pflegt in den bekannten Siegesbildern der älteren
Zeit (Dyn. i—6) stets eine Bezeichnung des überwundenen Volkes, nicht wie später (seit dem
n. R.) eine Bezeichnung für die Fürsten desselben genannt zu werden1. Demnach muß auch
das ~=| das wir hier lesen, ebenso wie unten in der Rede der Göttin des Westens,

das Volk der Libyer bezeichnen, nicht etwa den einzelnen Fürsten, der hier im Bilde gerade
den Tod erleidet. Daß der Pluralis dabei in der Schrift nicht ausgedrückt ist, ist altertümlich
und findet sich ebenso in der Inschrift der Göttin SsZ-t (s. u.)

Wir finden denselben Ausdruck für die Bewohner Libyens {Thnw) auf dem Sieges-
denkmal des Königs Mentu-hotp (Dyn. 11) zu Kairo wieder. Dort steht über dem gefangenen
Libyer, den der König mit der Keule erschlägt: —=^ | ö JI|%nn „der hitj- von Thnw
Hd-wlsa. Hier könnte der Ausdruck aber schon als Bezeichnung des Häuptlings gefaßt sein;
das Volk der Libyer selbst ist in dem andern Bilde desselben Denkmals als %—■> | „ ||^
Thnw-jw „die von Thnw" bezeichnet.

In seiner ursprünglichen Bedeutung, wie sie in unserm Bilde anzunehmen ist, ist der Aus-
druck dagegen noch in dem uralten, großenteils unverständlichen Text der Hausweihe zu belegen,
der sich im Tempel Thutmosis' III. bei Medinet Habu an der südlichen Außenwand der Cella
und im Tempel Amenophis' III. zu Luqsor3 aufgezeichnet findet. Dort heißt es von dem Gotte Ho-

rus: d



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ftd}«^'

ö

„er bemannt

sein Schiff mit Iwnwt aus Nubien, Mntjw aus Asien, Hztjw-1 aus Libyen"4. Hier sind die

Urk. I, 56.

152.

1) Vgl. A.Z. 35, 8. L.D. II, 2. 39. 116.

2) Naville, Rec. de trav. 32, Tafel.

3) Mem. Miss. Iran?. 15, pl. 12, Z. 19—20, von mir kollationiert.

4) Für das Alter des Textes beachte man die altertümliche Schreibung der Länder- und Völkernamen, insbesondere
auch das alte Determinativ t 1 für die Länder, das später durch rv/vn ersetzt wird.
 
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