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Ruine Wartenbach.
Von Hohhaus-Kustos K. Maurer, Lauterbach.
Hieser landschaftlich herrlich gelegene Platz bei Angersbach (Kreis Lauterbach in Hessen) ist durch die Aus-
^ grabungen des Lauterbacher Museumsvereins stark in die Öffentlichkeit gerückt worden. Es ist daher
I gerechtfertigt, zusammenzustellen, was über diese Ruine bis jetzt bekannt ist. Die mittelalterliche Burg
! scheint vor 1232 erbaut zu sein. Landau nennt in seinen „Hessischen Ritterburgen" im Stammbaum
' des Geschlechtes derer von Wartenberg als ersten dieses Namens einen Friedrich von Wartenberg,
der in fuldischen Urkunden 1232 bis 1249 erscheint. Schon in der nächsten Generation, 1265, ist die Burg zerstört
worden. Ihre Besitzer waren Heinrich und Dietrich von Wartenberg. Die Burg hatte also sehr wahrscheinlich nur
ungefähr vierzig Jahre gestanden.
Sie liegt auf einer in das Lautertal weit Vvrspringenden Bergnase des Birckig. Ihre Längsausdehnung beträgt
ungefähr 200 m. Die Bewehrung bestand aus Halsgraben, Außenringmauer, Jnnengraben zwischen Vorder- und Haupt-
burg und innerer Ringmauer. Die große Fläche ist mit ziemlich vielen Gebäuden bestanden gewesen, von denen uns die
ausgedehnten Bauten in der Vorderburg bis jetzt nur zum kleinsten Teil bekannt sind. Außer der Außentoranlage werden
vermutlich hier die Scheuern, Ställe, Vorratshäuser und Werkstätten untergebracht gewesen sein. Auf der Hauptburg
sind wir mit unseren Untersuchungen sehr viel weiter. Ihre Toranlage war nach Süden zu gewandt; links vom Tor-
weg, zum Teil in die Ringmauer geschoben, stand der Bergfried, rechts das vordere Pallasgebäude. Die Ostfront der
inneren Ringmauer ist vollkommen mit Gebäuden besetzt und die Nordfront von einem zweiten Pallasgebäude ein-
genommen. Nach Westen hin reichte der Hof bis an die innere Ringmauer heran mit Ausnahme der Stelle, wo ein
mittelgroßer Bau, sehr wahrscheinlich zweistöckig, den Platz versperrt. Außer dem Haupttor führt im Nordwesten noch
eine Pforte durch die Ringmauer nach außen. Sie kürzt den Weg ab zu einer Hinterburg, die vorläufig noch unter dem
Rasen schlummert. Soviel über die Baulichkeiten. — Die Burg ist zerstört worden in der Fuldaer Stiftsfehde, die in
die Zeit des Fuldaer Abts Bertho von Leipholtz 1261 bis 1271 fällt. Die Lehnsleute der Abtei Fulda hatten sich unter
Führung des Grafen Berthold von Ziegenhain gegen das Kloster erhoben, um ihre Macht zu erweitern. Diese Er-
hebung fällt in das Große Interregnum vor die Wahl Rudolfs von Habsburg. Der Abt hatte anscheinend klug paktiert.
Er machte seine großen Dörfer zu Städten und versicherte sich ihrer Mithilfe. Es gelang ihm, den Ritterbund zu
überwältigen und eine große Anzahl von Burgen zu brechen. Die Wartenbach hat er nicht bloß erobert und nieder-
gebrannt, nachdem sie geplündert war, sondern hinterher durch Fachleute richtig uiederlegen lassen, so daß wir heute
nur die Kellerräume und die unteren Teile der Erdgeschosse noch finden. Dennoch lohnt deren Ausgrabung, da bis
jetzt kein Bauplan der Burg vorhanden war und da der Trümmerhügel ein reiches kulturgeschichtlich wichtiges Fund-
inventar des Mittel-
alters enthält. —
In der Folgezeit
ist die Stätte bei-
nahe700Jahrelang
von den umliegen-
den Dörfern außer-
dem noch als Stein-
bruch benutzt wor-
den. Im 19. Jahr-
hundert bekam sie
dadurch wieder eine
gewisse Geltung,
daß in der Vorder-
burg eine Linden-
anlage angepflanzt
und der herrliche
PlatzfürdieAngers-
bacher Feste benutzt
wurde. Bor dem
Weltkrieg hatte der
Kriegerverein dort
seinen Schießplatz
und hielt alljährlich
sein Sedanssest ab. Abb. 13. Burgruine Wartenbach, Hessen. Lageskizze.
 
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