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sondern auch des deutschen Volkstums gegen herandrängende Slawen. Ohne diesen Schutzwäll von Burgen, der
im Sudetenland rings an der langen Grenze des Erzgebirges und Böhmer Waldes angelegt wurde, wäre das
Deutschtum in diesen Gauen fraglos von der Überzahl der Tschechen zurückgedrängt oder aufgerieben worden, wie
es ja tatsächlich während der Hussitenkriege versucht, wenn auch glücklicherweise nicht erreicht wurde.
Ein später Frühling breitet seine Farbenpracht vor uns aus. Noch blüht der Flieder in manchen Gärten.
Gleich Kerzen ragen blaue Lupinen aus saftigem Grün. Hier und dort flammt der Ginster golden auf. Schon breiten
sich die weißen Blütendolden des Hollunders aus und auf den Wiesen mischen sich alle Farben zu lustigem Farben-
spiel. Kerzengrade recken sich aus dichtem Unterholz Tannen und Fichten. Zwischen Wäldern und Matten schimmern
vereinzelte Teiche oder kleinere Gebirgsseen. Sanft steigen die Hügel an, schwingen sich zu höheren Gipfeln empor.
Überm Waldgebirge ragt hoch der Arber. Einsam ist die Landschaft, von ernster Größe, fast unberührt von der lauten
Unrast heutigen Verkehrs. Wir selbst stören allerdings mit unfern schnaufenden Autobussen die heilige Stille dieser
erhabenen Landschaft. Eine Nacht im Berghotel Rixi gewährt die wohlverdiente Ruhe nach dem anstrengenden
Tagespensum.
Nach langer Fahrt, die zur Vermeidung schlechter Straßen bis nach Passan und zurück über die alte Reichs-
grenze nach Böhmen führt, erreichen wir am 18. Krummau, ehemals böhmisches Herzogtum. Die alte Bnrg wird
schon vom Minnesänger Ulrich von Lichtenstein erwähnt. Als Herren der Herrschaft Krummau werden die Rosen-
berger, später die Habsburger, danü die Fürsten von Egenberg genannt. Durch Erbschaft fiel Krummau an die Fürsten
Schwarzenberg, ursprünglich einem alten fränkischen Geschlecht, das in Böhmen weitausgedehnten Grundbesitz
erwarb. Bei Krummau bildet die Moldau eine Halbinsel, ähnlich wie die Eger bei Elbogen oder die Tepl bei Petschau,
und wie dort wurde sie zur Anlage einer festen Burg ausgenutzt. Das Schloß von Krummau übertrifft an Größe bei
weitem noch die Burgen Petschau und Elbogen. Es bildet eine Gruppe von Gebäuden, Höfen, Toren, Brücken,
alle überragt von einem gewaltigen runden Bergfried, ein Gemisch verschiedener Stilarten von der Gotik bis zum
Rokoko. Der Hauptturm selbst vereinigt in sich mehrere Stile: auf dem mittelalterlichen Unterbau sitzt ein zierlicher,
säulengetragener Oberbau der Renaissance.
Mehrere Tore und Brücken vermitteln den
Zugang zur Kernburg. In der Vorburg pa-
trouilliert ein uniformierter Posten der fürstlich
Schwarzenbergschen Leibwache, in seiner alter-
tümlichen Tracht wie ein Bild von Spitzweg
anmutend, einzig überlebender Zeuge einer
romantischen Vergangenheit. Um die Burg-
romantik noch zu erhöhen, werden in einem
Zwinger vor der Hauptburg Bären gehalten,
in alter Zeit auf der Wartburg
An den Fassaden der als Be-
en dienenden Gebäude der Bor-
st man reizvolle Renaissance-
Figuren, Szenen antikisierenden
wen der Tugenden u. a. m. Über
ach beiden Seiten zur Moldau
ben gelangt man zur Hochburg,
rch ein ansehnlicher Theaterbau,
er der berühmten Theaterbauer-
;n. Bibbiena erbaut. Die Sitte,
ern — wenn Raum und Wittel
Privattheater einzubauen, über-
oßen Familien Böhmens von
talien erinnert auch der soge-
nsaal, vollständig ausgemalt mit
asken der italienischen Komödie
>en Stil (1748). Uber hundert
Pen sollen wiedergegeben sein,
rdgrube für die Kulturgeschichte
er Moldau aufwärts folgend,
der hoch über dem Fluß liegen-
m Buquoh gehörenden Burg
Oer Besitzer empfängt uns am
Abb. 25. »WWW Auf der höchsten Stelle erhebt
 
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