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bundene Räume auf einem Stockwerk. Bezeichnend für das „Haus" sind demgegenüber drei Räume auf einem
Geschoß, eine mittlere Eingangshalle mit Treppe und zwei seitliche Wohnräume.
Dieses den Typus bezeichnende Haus bildet den Hauptbestandteil der Hausburg, so bei der Ruine Bösig, wo
sich sogar mehrere derartige Wohnbauten um einen Hof reihen. Während diesen Ausweg sperrenden, wohl jüngeren
Tore und Befestigungen bis auf geringe Reste verschwunden sind, steht das obere mit spitzbogigem Steingewände
noch aufrecht, es gibt den Weg frei durch die von hier zu einem mächtigen Rundturm aufwärts ziehende Sperrmauer.
Über den Zugang zum Burghof wächst der schlanke Kapellenbau, auf eigenem Felsvorsprung errichtet, empor. Der
Übergangsstil von der Romanik zur Gotik hat hier seinen reichen Formenschatz entfaltet und dieses Kleinod böhmischer
Baukunst entstehen lassen. Bezeichnenderweise liegt die Kapelle beim Tor, eine Verbindung, wie sie eben im hohen
Mittelälter häufig in Gebrauch stand. Man konnte auf diese Weise für Außenwohnende die Teilnahme am Gottes-
dienst ermöglichen, ohne den Zutritt zum inneren Burghof freigeben zu müssen, überdies wurde dadurch der Schutz
der gefährdetsten Stelle der Burg den himmlischen Mächten übertragen.
An die Kapelle schließt das erste dreiteilige Gebäude. Die „Häuser" haben hier eine Eigenart aufzuweisen,
sie sind den drei Räumen entsprechend mit drei verschiedenen Gewölbearten überdeckt. Die ganze Anlage ist durch
einen auf höchster Stelle gelegenen runden Hauptturm geschützt. Der Ausbau der Burg in Stein wird dem König
Ottokar von Böhmen zugeschrieben, Einzelformen wie Typus stehen dieser Annahme nicht entgegen. Wenzel II.,
der Nachfolger Ottokars, verlieh an die kleine Burguntersiedlung das Stadtrecht, nachdem schon durch Ottokar Hirsch-
berg mit Stadtrecht begabt worden war. Wenn nun auch beide Siedlungen ihrer ungünstigen Lage im siedlungs-
armen Gebiet zufolge — das Stadtrecht von Bösig wurde überdies später auf eine andere Ortschaft übertragen —
sich nicht zu eigentlichen Stadtsiedlungen entwickeln konnten, so zeigt doch die Verleihung eines von Deutschland
übertragenen Rechts, ursprünglich von Nürnberg und Magdeburg stammend, auch auf diesem Gebiet Böhmen als
deutschen Kulturboden.
Aus Hausburgen mit Haupttürmen sind, dem äußeren Eindruck nach zu schließen, wohl die meisten der an
unserem Weg liegenden^Festen gewachsen. So das düster-gespenstige Schloß Friedland und das heitere Läm-
berg, so Mileschau. Schönburg, Elbogen(?) und die Witigonensitze Krummau und Rosenberg.
In beherrschender Lage bauen sich die Trümmer der Schönburg über einer tief eingegrabenen Egerschlinge
auf. Es ist ein Landschaftsbild von einprägsamer Eigenart, in das sich die Ruine eingliedert. Imposant sind die
gegen Süden vorgeschobenen Befestigungsanlagen mit Abschnittgraben, Brücke und eigenartig eingezogenem, durch
vorgreifende Mauern flankiertem Tor, und die Ringmauer mit ausspringenden Bierecktürmen. Auf höchster Stelle
gegen Norden hinaufgerückt, thront über dem langgestreckten Hof die Kernfeste, das zerfallene „Haus". Reste von
Erkerausbauten und die Trümmer eines kleinen vieleckigen Turmaufsatzes sind noch an den Rudimenten der Außen-
mauern zu sehen, sie mögen im 15. bis 16. Jahrhundert hier angebracht worden sein; der Mauertechnik nach zu
schließen, geht der Ausbau in Stein im ganzen wohl kaum über das 15. Jahrhundert zurück. Interessant und bei
Höhenburgen nicht eben die Regel ist der in Resten noch erhaltene Wallgraben, der Ost- und Südseite der Burg
umzieht. Die Frage, ob auch hier, wie bei den bereits besprochenen böhmischen Hausburgen, einmal ein runder
Hauptturm zum Schutze der Anlage erstellt war, läßt sich auf Grund der kurzen Besichtigung beim heutigen Bau-
zustand mit Sicherheit nicht beantworten, der Gesamtplanung nach dürfte er hier wohl gefehlt haben.
Mein Bericht, der sich an die empfangenen Eindrücke selbst hält, er
wäre lückenhaft, geschähe in ihm nicht auch der berühmtesten Stätte un-
serer Fahrt Erwähnung, der Kaiserburg Eger. Heute eine Ruine am
Rande einer verträumten Stadt, einst östlichste Pfalz des Stauferreichs,
weiß die alte Reichsfeste über manches Stück wichtige Geschichte zu be-
richten, wenn auch ihre Gebäude längst in Trümmer gefallen sind. Noch



Abb. 28. Ruine Pfraumberg, Sudetenland.
Grundrißskizze v. Knapp, ergänzt nach H. Weinelt.
 
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