Caetani Lovatelli, Ersilia
Antike Denkmäler und Gebräuche — Leipzig, 1896

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bis an die Hand reichenden Aermeln sehen. Die
Beine sind anscheinend mit Gamaschen oder Bein-
schienen, die Füsse mit Schuhen bedeckt, obwohl
beides nicht mit Sicherheit festzustellen ist.

Die Kleidung der netten, kleinen Figur bietet
somit nichts besonderes dar, wenn man nicht auf den
Gegenstand auf ihrem Rücken achten will, in dem
man nach meiner Ansicht das Polster zu erkennen
hat, das die Circuslenker über dem oberen Theil des
Rückgrats trugen, um dieses bei einem Unfall zu
schützen. Wir begegnen demselben öfter bei ähn-
lichen Figürchen, wie z. B. bei den beiden kleinen
Wagenlenkern der Sammlung Tyskiewicz. An unserm
jedoch ist zu bemerken, dass sich das Rückenkissen
dermassen erweitert, dass es drei gesonderte Theile
bildet, was ihm das Aussehen eines Kleeblatts giebt.
Etwas weiter unten, in der Mitte des Rückens, be-
merkt man die Schnalle, welche dazu diente, die.
Zügel um den Leib zu befestigen, und von der wir
ein vollkommenes Gegenstück an der Figur des vati-
canischen Wagenlenkers und an anderen Circusfiguren
haben.

Der unsrige trägt den Bart in dem Zuschnitt, der
zur Zeit des Septimius Severus und seiner nächsten
Nachfolger Mode war, welcher die Broncefigur anzu-
gehören scheint. Wie bekannt, begann man unter
Hadrian wieder Barte zu tragen, ein Gebrauch, der
sich bis zu den Tagen Constantins erhielt. Die
Kaiser, welche auf Hadrian folgen, tragen alle bis auf
Constantin den Grossen auf den Münzen den Voll-
bart, und nur einige, wie Heliogabalus, Balbinus, der
jüngere Philippus und Hostilianus, werden mit glattem
Kinn dargestellt.
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