Caetani Lovatelli, Ersilia
Antike Denkmäler und Gebräuche — Leipzig, 1896

Page: 28
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Mittler zwischen dem Menschen und Ormuzd, der im
Himmel zwischen Sonne und Mond, den beiden
Pforten des Firmamentes, wohnt, um die Wanderung
der Seelen zu leiten, auf den Denkmälern mit dem
Sühnopfer des kosmogonischen Stieres immer zwischen
den beiden leuchtenden Weltkörpern dargestellt.

Es wäre somit nicht unwahrscheinlich, dass die
beiden jugendlichen Begleiter des persischen Gottes
wirklich das Auf- und Niedersteigen der Seelen oder,
mit anderen Worten, Leben und Tod versinnbildlichen
sollten. Stellten doch die Griechen die Psyche, d. h.
die Seele in ihrer vollen Thätigkeit, mit erhobener
Fackel, den Genius des Todes dagegen mit umge-
stürzter, erloschener Fackel dar. Auch herrscht kein
Zweifel daran, dass unter den verschiedenen ange-
führten allegorischen Bedeutungen die letzte vielleicht
den mystischen Mithraslehren am nächsten kommt,
deren Fundamentaldogma, wie gesagt, das Nieder-
steigen und die Auffahrt der Seelen durch die beiden
Himmelsthüren Sonne und Mond ist. Dieselbe Idee
sollten zweifellos die beiden Stierköpfe als Mondsymbol
ausdrücken, auf denen in einem elsässischen Basrelief
zwei Fackelträger stehen, während der Mond durch
einen Stierkopf verdunkelt ist, sowie auch der Lampen-
träger des Museums von Karlsburg, der einen Stier-
kopf unter dem Arme trägt. In beiden Fällen zeigt
sich eine klare Hindeutung auf die unmittelbaren Be-
ziehungen zwischen den durch die erhobene und die
gesenkte Fackel versinnbildlichten Wanderungen der
Seelen in ihrem natürlichen Wohnorte, dem Monde,
von dem aus sie zur Erde niedersteigen.

Bei dieser Gelegenheit darf ein Mithrasdenkmal
nicht mit Stillschweigen übergangen werden, das in
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