Deussen, Paul
Mein Leben — Leipzig, 1922

Page: 81
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/deussen1922/0087
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Universitätsjahre in Bonn, Tübingen, Bonn,
Berlin und Oberdreis.

1864-1869.

(^Xer 7. September 1664 bildet einen der größten Wende-
punkte in meinem Leben. Aus den engen Klostermauern
der Pforta trat ich in die weite Welt, auf die strenge Schul-
ordnung und das auf ihr beruhende, geregelte, erfreuliche Fort-
schreiten folgte nun eine völlige Freiheit, in die ich mich längere
Zeit nicht zu finden wußte. Meiner Mutter und ihren engen
religiösen Ansichten war ich schon mehr entwachsen, als ich es ihr
selbst gestehen mochte, mein Vater hat bei aller Liberalität,
Iovialität und treuen Fürsorge doch niemals tiefer in unser
geistiges Leben eingegriffen, und so fehlte es mir an jeder Lei-
tung, während Nietzsche, der treue Kamerad, durch seine Ge-
spräche und mehr noch durch sein Vorbild meine Natur nach allen
Nichtungen ins Unbegrenzte trieb, aber eben dadurch die Ver-
folgung eines festen Lebensplanes mehr verhinderte als beförderte.
Nach einigen in seinem Elternhause zu Naumburg mit ihm ver-
Lrachten Wochen zogen wir beide nach dem Westen, Mnächst nach
Elberfeld, wo sich Ernst Schnabel als Dritter im Bunde an-
schlotz, und dann nach einer übermütigen Reise über Llönigswinter
und den Drachenfels gelangte das aus sö verschiedenen Naturen
zusammengefügte Dreigespann nach Oberdreis.

Am 15. Oktober feierten wir den Geburtstag meiner Mutter
und zugleich den Nietzsches und stiegen dann von dem Eebirge des

Deusien, Mein Leben. 6
loading ...