Fliegende Blätter — 22.1855 (Nr. 505-528)

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Zwei Briefe.

Eine historische Novelle.

I.

Edmund besuchte die Handelsschule in Leipzig und saß
in der ersten Klasse; Julie war schon confirmirt und begann
lange Kleider zu tragen und Romane zu lesen. Ihr liebe-
athmendes Herz hing stets warm an deni betreffenden Helden,
besonders aber dann, wann er recht rührend umkam oder sich
wenigstens bei einer edel» That im Dienste seiner Angebeteten
eine bedeutende Körperverletzung zuzog. Mit solchen Gefühlen
pflegte sie dann einsam spazieren zu wandeln, um unbeobachtet
von: Auge der sorglichen Mutter, dem Edlen eine stille Thräne
nachweinen zu können. Auf einem solchen Wege begegnete
sie Edmund: auch er war traurig; die Reste seines Taschen-
geldes hatten ihn verlassen. Sein schwermuthsvoller Blick
zog sie an, ihn der ihrige; sie verstanden sich — liebten sich.

Edmund aber folgte Julien verstohlen von Weitem und merkte j
sich die Nummer ihres Hauses.

Von da an begannen die glücklichen Tage der Liebenden; j
die verschwiegene Hausflur hörte die Schwüre ihrer Treue und j
ihre Küsse. Aber oben saß die betrogene Mutter, denn sie!
glaubte Julien bei einer Freundin, und am andern Ende der >
Stadt der betrogene Vater, denn er glaubte Edmund in der j
Schule. Noch ahnten sie nichts.

Doch nicht lange sollte das stille Glück der Liebenden j
dauern; das neidische Geschick sandte die Magd als Lanscherin
und das schwarze Herz der Magd war boshaft genug, Alles
zu verrathen.

O wie hart war der Zorn der Mutter, aber Alles hätte
die Liebe Julien ertragen laffen, hätte sie nur ihren Schmerz
an ihres Edmunds Busen ausweinen dürfen. Aber die Mutter
dachte an Juliens Entfernung von Leipzig. — Julie sah
ihren Edmund nicht wieder; das gastliche Hans einer Tante
in München nahm die Kummerbeladene auf. Dort fing sie
sogleich an, ihr Leben zu vertrauern.

Unterdessen trauerte auch Edmund fern von ihr und be-
netzte mit Zähren seine Exempel. Aber sein niännliches
Herz war nicht gebeugt; kaum hatte er von Juliens Ent-
fernnng erfahren, so erhob er sich um Mitternacht vbm schlaf-
losen Lager und schrieb einen Brief:

Theure Angebetete!

Ich versuche nicht, Dir die Qualen meines Herzens seit
Deiner Entfernung zu schildern, nein, keine Feder beschreibt !
den stummen Schmerz meiner Tage und den Jammer meiner j
Nächte. Ich bin wirklich sehr unglücklich. Aber ich gedenke i
der Schwüre, die ich Dir geschworen habe und bin ungebeugt, j
wenn ich gleich stets still seufze. Ich habe einen Plan, einen !
herrlichen Plan erdacht und warte nur auf Deine Einwilligung j
um ihn auszuführen. Ich befreie mich von den Feffeln die j
mich zwängen, ich eile zu Dir, ich entführe Dich aus München.

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Zwei Briefe"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Magd <Motiv>
Junge <Motiv>
Mädchen <Motiv>
Kuss <Motiv>
Beobachtung
Karikatur
Satirische Zeitschrift
Thema/Bildinhalt (normiert)
Entsetzen <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 22.1855, Nr. 506, S. 9
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