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Nraf's Tagebuch rc.

« uns dieses Treiben und Gewihlc gehörig mit ansehen. Nämlich
! auf eine solche Börse da machen die Herrn Bankgehs Gcschäft-
I chen in Geld und auch in Bolitik und die verschiedenen Könige,
j Fürsten und Bodenthaten müssen allemal erst auf die Börse
anfrage» lassen, wenn sie wollen Krieg führen, denn wenn die
, BankgehS kein Geld nicht dazu hergcbcn thäten, da wäre auch
! in die Welt ewige Friedlichkeit. Die Bankgehs wchlen sich
• nun unter sich selbst wieder einen Obersten, welcher auch Börsen-
> könig genennt wird. Auf diesen seine GesichtSzige kommt es
i nun jeden Tag an, ob die Kurse hoch oder niedrig stehen.

I Zieht dieser oberste Börsenkönig ein schiefes Maul, so zieht cs
i ihm die gansc Börse nach und dann steigen die Kurse in die
Tiefe hinunter, weil da etwas am bolitischcn. Hohritzont nicht
j richtig ist, was man auch Bähse nennt. Macht aber einmal

müßte, weil auch allemal die Preise dahinter standen und dann
sah es mir auch wieder wie ein Gedicht aus, aber cs konnte
keines nicht von allen beiden sein, denn als Gedichte reimte es
sich nicht hinten und als Sbcisezcttel fand ich nichts Eßbaares
nicht darauf. Aber dann erfuhr ich, daß dieses ein sogenannter
| Kurszettel ist. Nun, für mich und Kohlen konnte das ganS
j gleichgiltig sein, aber die Bankgchse fielen mit eine wahre
! Withigkcit über diese Kurszettel her und dann war cs auf
einmal wie auf den Tansbodcn beim Kirchweihfeste; denn die
eine Bartci sbrang vor Freiden mit die Zettel hoch in die
Luft und warfen die Hüte in die Höhe, aber wieder die andre
Bartei schlug sich mit die Faust an den Kobf und schnitt firch-
terliche Gesichter. Dieses waren die sogenannten Sbekuhlanders
von die Hose oder Bähse.

Und zuletzt Verliesen die sämmtlichen Meyers und Wölfe
den Schaublatz.

Nicht weit von die Börse und vor das Mußehum ist ein
großer Sbringbrunncn auch Fohndäne genannt und etwas weiter
davon eine ungeheier große Schüssel aus Granitstcin gedrechselt;
dieses soll laut einer Sage nach auch eine Ansbielung auf die
Börse sein, weil in die Ricscnschüsscl die Bankgehs den Seifen-
schaum machen, womit sie dann das Bublikum raßiren können.
Das Fondähnewasser ist aber auch erst gebumbt und kommt
auch von hinter die Börse her. Man sieht hierdaraus, daß
man in Berlin cichentlich Alles von die Bankgehs bumben
muß, wenn man etwas haben will. Auch sagt eine andre
sehr gut untcrrichtigtc Bartei, daß man diese Granitthcerine
nur als Sbott hat vor die Börse gesetzt und daß man damit
droht, darin einstmals sämmtlichc Bankgehs zu das freiwillige j
Christenthum zu zwingen, wenn sic etwa einmal nicht mehr !
nicht bumben wollen.


> früh der Börsenoberhaubtmann ein lächcrlichclndcs Gesicht, so;
; ist an die eirohbäischen Hefe etwas Angenehmes bassirt und !
! dann lacht die ganse Börse mit und die Kurse steigen in die!
i Höhe, welches man Hose nennt. Was nun cichentlich Hose j
j und Bähse in die goldige Blumensprache bedcitet, kan» ich !
nicht auSdricken, weil es wahrscheinlich auch von heppräischen
Ubrsbrung abstammt. Damit daß aber dieser oberste Börsen- j
oberreiberhaubtmann auch alles gans genau erfahren kann, so '
! setzt er sich immer schon dierekt mit die Theelegrafen in Ver- .
! bindung, wobei er sich aber nicht darf erwischen lassen, weil
, man ihn sonst einstcckt, was auch schon bassirt ist.

Wenn diese Bankgehs sich nun lange genug mit die
! Hände einander bei das Gesichte vorbei gestritten haben, so
! werden lange Pabiere ausgetheilt. Ich ließ mir auch einen ;
j solchen Zettel mitgeben, aber ich konnte mich nicht dahinein !

! finden, denn Anfangs glaubte ich, daß es ein Speisezettel sein

Gleich neben diesen, Tembel des Geldes habe» sie die 1
Domkirche gebaut, damit daß Einer gleich seine Sünden auf !
frische That bereihcn kann, wenn er auf die Börse etwa Einen !
zu sehr das Fäll über die Ohren gezogen hat. Aber man i
sagt, daß dieses niemals nicht Vorkommen thäte, das heißt !
nämlich das Bereihcn von der Sinde, das Fellüberdieohrenziehen
hingegen kommt alle Tage vor.

Als andere Nachbarschaft hat die Börse das schöne B i l -
dermußehum welches eine große Kunstscltcnheit ist. Anstatt
daß man an andre öffentlichte Gcbeide eine Schildwachc stellt,
so haben sie hier an die Treppe eine Bistc von einen Pferd
gestellt, auf welches ein sehr sommermäsig gekleidetes Frauen-
zimmer mit einen Sbieße sitzt und einen großen gußeisernen
Kater fortjagcn will, welcher von vorne de» Pferde in die
Zigcl fällt. Es soll dies eine gewisse Anna Zone gewesen !
sein und die Geschichte ist wirklich einmal bassirt, aber ich !
glaube nicht in Berlin, weil da die Kater nicht so groß werden.
Die gegenüberliegende Seite von die Treppe ist noch frei und
hat man gewiß gedacht, daß diese eine Grubbe schon abschreckend
Bildbeschreibung

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herrn Graf's Tagebuch während seines Besuches in Berlin"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
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Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Börsenhändler
Karikatur
Wertpapier
Satirische Zeitschrift
Juden

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
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Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 22.1855, Nr. 509, S. 34
 
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