Die Mauer: Feldzeitung — 1917 (Juni-Dezember)

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Nmnmer 18

Aon Molk und Daterland.

Der ist kei» Bürger, der die eigne Sorge
Bergißt mcht iu der Not des Mgemeinen.

Grillparzer, Ein Bruderzwist in HabSburg.

Wer, wenn daS Baterland in-Not ist, eiuen andern
Gedaaken als deffeu Rettnug fühlt, ist nicht wert,
in eine« freie« Staate zu leben.

Klinger.

Das Größte, was dem Menschen begegne« kauu,
ist es wohl, in der eigenen Sache die allgemeine
zu verteidige«.

Ranke, Englische Geschichte.

Wenu's zum Gemeiuwohl dienlich ist, so stellt
Mir Ehre vor Ein Ange, Tod vor's andre —

Und beide scha« ich gleich eutschloffen an.

Die Götter sei'n mir abhold, lieb ich nicht
Die Lhre mehr, als ich vor'm Tod mich schene!

Shakespeare, JuliuS Täsar.

Die ewige Lüge.

Jn allen Gauen der Heimat erhebt sich einmütiger Pro-
test gegen die Dreistigkeit des amerikanischen Präsidenten
Wilson, der in seiner Antwort auf die päpstliche Friedensnote
nn das deutsche Volk das Ansinnen gestellt hat, sich von seinem
Kaiser loszusagen. Überall wird diese neue amerikanische An-
maßung mit Entrüstung zurückgewiesen, und heute schon kann
gesagt werden, daß Herr Wilson gerade das Gegenteil seiner
Absicht erreicht hat, denn nur noch fester schließt sich angesichts
solch beleidigender Zumutung das deutsche Volk um seinen
Kaiser.

Dies umsomehr, als zu gleicher Zeit die Enthüllungen
<ms dem Suchomlinowprozeß die unablässigen Friedens-
bemühungen Kaiser Wilhelms von neuem in helles Licht
rückten und die Wilsonsche Beschuldigung, als ob das deutsche
Kaisertum der Friedensstörer Europas gewesen sei, in eklatanter >

Weise Lügen straften. Das gleiche wohlverdiente Schicksal er-
leidet nun auch der neue Feldzug unserer Feinde gegen die
Politik des Deutschen Kaisers in den Jahren 1904 und 1905,
der wiederum das Ziel hat, Deutschland und seinen Kaiser
der Bedrohung des europäischen Friedens zu bezichtigen.
Glücklicherweise hat das deutsche Auswärtige Amt sofort mit
der Veröffentlichung der damals von Kaiser Wilhelm an den
Zaren gerichteten Telegramme geantwortet und dadurch. von
neuem bewiesen, daß der wahre Störenfried wiederum mcht
Deutschland, sondern England gewesen ist. Und weiter zeigt
der Telegrammwechsel, daß unserem Kaiser, der täglich von
unseren Feinden als Autokrat verschrieen wird, mehr Achtung
vor dem Willen des Volkes innewohnt, als den angeblich
alleinigen Vertretern der Demokratie in Fravkreich, England
und Amerika.

„Ehe Du Deine endgültige Entscheidung für den Ftieden
oder für die Fortsetzung des Krieges triffst," so schreibt der
Kaiser am 20. August an den Zaren, als es sich für diesen
um den Frieden mit Japan handelte, „wäre es, wie mir
scheint, ein ausgezeichnetes Verfahren, wenn Du diese Frage
erst der Duma vorlegen würdest. Da diese das russische Volk
vertritt, wäre ihre Antwort die Stimme Rußlands." Schreibt
so ein Autokrat, ejn Alleinherrscher, oder sind diese Worte nicht
vielmehr ein glänzendes Zeugnis für das hohe Pflichtgefühl,
mit dem gerade der Deutsche Kaiser sein Herrscheramt ausübt?
Wie sticht eine solche Auffafsung ab etwa von der englischen
Politik vor dem Beginn des jetzigen Krieges, da ein englischer
Minister, ohne die Volksvertretung irgendwie zu ftagen, ja
ohne auch nur seine Ministerkollegen davon zu unterrichten,
Bündnisse mit anderen Mächten schloß, die England unbedingt
in den Krieg hineinziehen mußten? Wie von den Eroberungs-
Geheimverträgen eines Poincare mit dem Zaren, die gleich-
falls hinter dem Rücken der Volksvertretung abgeschlofsen
worden sind ?

Die Heuchelei unserer Feinde schreit nachgerade zum
Himmel. Wahrlich, in Deutschland mit seiner konstitutionell-
monarchischen Verfassung herrscht mehr Demokratie, mehr
Achtung vor dem Volk, als in den Scheindemokratien unserer
Feinde. Und für die Erhaltung des Friedens hat Deutschland
und insonderheit Kaiser Wilhelm mehr getan, als irgend ein
Fürst oder Staatsmann der Welt. Wie der Suchomlinow-
prozeß, so bestätigen das gerade auch die diplomatischen Schrist-

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